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Geschichte des Hauses

Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung befindet sich auf dem zentralen Regierungstandort in Potsdam. Kadettenanstalt, Offizierskasino, NAPOLA und Betriebskonsum: Gelände und Haus blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück.
Haus 17 im Mai 1992; Straßenseite (Friedhofsgasse)

Der Sitz der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung befindet sich auf einem der Regierungsstandorte des Landes in Potsdam, im Haus 17. Das Gelände liegt unweit des Potsdamer Hauptbahnhofs und wird begrenzt von der Heinrich-Mann-Allee, der Friedrich-Engels-Straße, der Friedhofsgasse und dem Leipziger Dreieck.

Gelände und Haus blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück. 

Hier stand einst im preußischen Potsdam eine Kadettenanstalt. Im August 1822 wurde sie feierlich eingeweiht. Bis ins Jahr 1912 gab es auf dem Areal ständige Bautätigkeit. Das Haus 17, der heutige Sitz der Landeszentrale, wurde um 1910 errichtet. Es ist ein eingeschossiger, reizvoller Bau, der ursprünglich durch einen Verbindungsgang mit dem naheliegenden Haus 16 verbunden war. Das ehemalige Offizierskasino lag früher in der Lennéschen Parkanlage, die jedoch durch Neubauten fast vollständig beseitigt worden war. 1919 musste gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags das Kadettenkorps und damit auch die Kadettenanstalt entmilitarisiert werden.

Auf einen Blick:

1910
Erbauung als Offiziers- und Speiseanstalt

1920-1933  Staatliche Bildungsanstalt: Dienstwohnungen

1933-1945 Nationalpolitische Erziehungsanstalt

1948-1949 Wohngebäude (Privatwohnungen)

1950-1952 Landesregierung Brandenburg: Innenministerium, Verkaufsstelle für Betriebskonsum

1952-1990 Rat des Bezirkes Potsdam

1994 Sanierung

Heute Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung mit Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationsangeboten

1920 wurde in diesen Gebäuden eine Staatliche Bildungsanstalt eingerichtet. Das öffentliche Internat für Jungen, dessen Lehrpläne denen des Realgymnasiums entsprachen, bot in der Regel neun Jahre Schule an, am Ende stand das Abitur.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Schulverwaltung zentralisiert. In diesem Zusammenhang wurde im Juli 1933 die Staatliche Bildungsanstalt Potsdam in eine Nationalpolitische Bildungsanstalt (Napola) umgestaltet. Sie war eine eigene Schulform, die sich in Struktur und Organisation an der Tradition der Kadettenanstalt orientierte. Diese Entwicklung entsprach der allgemeinen Militarisierung von Staat, Partei und Gesellschaft. Es entstanden zahlreiche Neubauten auf dem Gelände.

Die ersten Bombardierungen Potsdams zum Ende des Zweiten Weltkrieges trafen auch zahlreiche Gebäude der ehemaligen Kadettenanstalt. Das Haus 17 wurde jedoch nur leicht beschädigt. Wohnraum wurde dringend benötigt, vorrübergehend wurden hier Familien einquartiert. Mit dem Einzug von Teilen der Provinzialregierung wurde Haus 17 in eine „Verkaufsstelle für Betriebskonsum“ umfunktioniert.

Nach Abschaffung der Länder im Osten Deutschlands zog nach 1952 (bis 1990) der Rat des Bezirkes Potsdam auf das Gelände. Das Haus 17 beherbergte in dieser Zeit (ab 1970) die einzige zentralstaatliche Behörde auf dem Standort – die „Abteilung Kontrolle und Revision“, Bezirksinspektion Potsdam und die „Finanzrevision Wirtschaftsprüfergruppe“ sowie (ab 1980) die „Staatliche Finanzrevision Inspektion Potsdam“ des Finanzministeriums der DDR. 

Bildergalerie
Giebel (Ansicht Einfahrt)
Haupteingang
Haupteingang
Giebel
Die Treppe
Zugang zur Terrasse
Ehemaliger Haupteingang
Flur im Erdgeschoss 1992
Eingangsbereich mit Haupt- und Nebeneingang 1996
Die Landeszentrale heute

Die Sanierung des Hauses begann im Februar 1994. Die neobarocke Struktur mit der Mittelachsenbetonung der Zugänge wurde nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Das große Dach mit seinen eindrucksvollen Gaupen blieb erhalten. Der Terrassenzugang musste neu gestaltet werden, da das Original nur unzureichend verbürgt war. Die Dachtraufe wurde vollständig ersetzt, die Malereien wurden ergänzt.

Das Haus verfügt nach der Sanierung über ein einladendes Vestibül, einen Seminar- und Tagungsraum für etwa 40 Personen sowie diverse Arbeitsräume für die Mitarbeiter der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.

Gründung der Landeszentrale 1991

Noch während der Verhandlungen über den deutsch-deutschen Einigungsvertrag gab es Überlegungen, ostdeutsche Landeszentralen einzurichten. Vorbild sollten die westdeutschen Landeszentralen sein. In Brandenburg wurde wenige Wochen nach Konstituierung des Bundeslandes dazu ein Aufbaustab eingerichtet.

Hans-Jürgen Misselwitz leitete die Landeszentrale bis 1999, ab 2000 übernahm Martina Weyrauch.

Unter der Leitung des DDR-Bürgerrechtlers Hans-Jürgen Misselwitz übernahm dieser schon vor der amtlichen Errichtung der Brandenburgischen Landeszentrale am 1. Juli 1992 (gemäß § 12 LOG) Aufgaben der politischen Bildung.

1994 konstituierte sich ein parlamentarischer Beirat, der die Arbeit der Landeszentrale beratend begleitete. Seit 2001 nimmt diese Aufgabe ein Parteien übergreifend besetztes Kuratorium wahr.

In den ersten Jahren der Landeszentrale ging es zunächst darum, Strukturen aufzubauen. Unter den damaligen Rahmenbedingungen bedeutete das nicht nur die Bereitstellung von Arbeitsräumen, Personal und Materialien, sondern vor allem hieß es, die BrandenburgerInnen darin zu unterstützen, sich in den fundamentalen gesellschaften Veränderungen nach der deutschen Wiedervereinigung zurecht zu finden.

So war die politische Bildung der Zeit darauf gerichtet, Informationen bereit zu stellen, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglichten. Der Alltag in zwei Diktaturen hatte Spuren hinterlassen, Denkstrukturen und Verhaltensweisen, die sich verfestigt hatten.

Was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben, welche individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen damit vor jedem Einzelnen stehen, das alles war ein Lernprozess im gesamten Land, der von der Landeszentrale unterstützt und begleitet wurde.



Quelle zur Geschichte des Geländes: Broschüre „Regierungsstandort Landeshauptstadt Potsdam“, Hrsg.: Ministerium der Finanzen des Landes Brandenburg

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