Leichte Sprache
Ausstellung
18. Oktober 2016 bis 9. Mai 2017

Pizza aus Polen

Neue Nachbarn in alten Häusern
Was bedeutet ein Staatsvertrag für die Menschen vor Ort, wie wird ein Stück Papier mit Leben gefüllt? Nach 25 Jahren deutsch-polnischem Nachbarschaftsvertrag hat die Landeszentrale Polen und Deutsche gefragt, wie es sich miteinander lebt - in Brandenburg mit Pizza aus Polen.
Flyer zur Ausstellung Pizza aus Polen

Die Neugründung des Landes Brandenburg lag erst acht Monate zurück, als der „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“ am 17. Juni 1991 geschlossen wurde. Viele Staaten im östlichen Europa erlebten gravierende politische und wirtschaftliche Veränderungen, der Zerfall der Sowjetunion sorgte für Spannungen und Unsicherheit. Mit dem Vertrag sollte vor allem neues Vertrauen in die Beziehungen zwischen beiden Ländern und der Menschen diesseits und jenseits der Oder-Neiße-Grenze geschaffen werden.

Doch was bedeutet ein Staatsvertrag für die Menschen vor Ort? Wie wird ein Stück Papier mit Leben gefüllt? Die neue Ausstellung der Landeszentrale nimmt diese Fragen in einer ungewöhnlichen Perspektive auf. Aus Anlass des 25. Jahrestages des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages hat sie in Mescherin, einem kleinen Ort an der Grenze zu Polen, alte und neue, deutsche und polnische Einwohner gefragt, wie es sich miteinander lebt - in Brandenburg mit Pizza aus Polen.

Das Land Brandenburg, besonders die nördlichen Regionen in der Prignitz und in der Uckermark, hatten in den 1990er-Jahren unter einem massiven Bevölkerungsschwund zu leiden. Auch in Mescherin, einem idyllisch an der West-Oder gelegenen Dorf, wurde die Abwanderung sichtbar. Die Bewohner waren alt oder längst weggezogen, die Dorfkneipe und der einzige Bäcker geschlossen.

Der Aufschwung kam vor sechs Jahren

Der Aufschwung kam vor sechs Jahren, als ein polnisches Paar mit seinen Kindern nach Mescherin zog. Dem Beispiel folgten weitere junge Familien aus Polen und fanden in alten Häusern ein neues Zuhause. Viele der „Neu-Mescheriner“, die den Umschwung brachten, arbeiten jenseits der Oder und pendeln täglich nach Szczecin (Stettin) oder Gryfino (Greifenhagen). Ihre Kinder aber werden in der Kita in Tantow betreut und erlernen dort spielend die deutsche Sprache.

In der Ausstellung kommen sowohl die alteingesessenen als auch die neu hinzugezogenen Bewohner zu Wort. Sie berichten, wie sich ihr Leben nach dem Umzug verändert hat und warum Brandenburg eine lebens- und liebenswerte neue Heimat ist.

Die Fotografien sind von Andreas Kämper, die Interviews führte Martina Schellhorn.

 


 

Axel BisekeJedes leer gezogene Haus ist ein kaputtes Haus

"Eins muss ich sagen: Die Polen machen mehr auf ihren Grundstücken wie wir. Und die sind viel exakter. Aber das kann auch altersstrukturell bedingt sein. Früher hab ich auch mehr gewirbelt."

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Joanna Kot und Paweł Czerkawski

Spielend Deutsch lernen

"Tymon ist im August 2016 geboren und damit der jüngste polnische Einwohner Mescherins. Später soll er in die Kita nach Tantow gehen und dort spielend Deutsch lernen."

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Volker Schmidt-Roy, OrtsvorsteherDie Polen waren die Rettung

"Die Polen waren für Dörfer wie Mescherin und Staffelde die Rettung. Die vielen alten Häuser, die es hier gab, wären inzwischen zusammengefallen. Das war der Zeitpunkt, wo kein Deutscher kaufen wollte."

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Marta SzusterDie Leute in der Uckermark sind den Polen sehr ähnlich

"Ich würde mir wünschen, dass wir nicht mehr von polnischen und deutschen Nachbarn sprechen, sondern nur noch von Nachbarn. Die Sprache ist die einzige Barriere, die besteht."

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Im Kindergarten. Foto: Andreas KämperLeider keine polnische Erzieherin

"Die Kinder, die schon im Krippenalter zu uns kommen, sind wirklich im Vorteil. Wenn sie in die Schule kommen, sprechen sie perfekt Deutsch."

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Kommentare

Schöne Entwicklung

Eine schöne Entwicklung, und hey, dies ist die Fortsetzung einer typisch Brandenburger Tradition. Im 5./6. Jh. war unsere Ecke fast siedlerfrei, dann kamen Slawen, später Germanen etc. pp. und alles vermischte sich kreuz und quer. Bis in die Neuzeit war Brandenburg Zuzugsland, Siedler aus aller Herren Länder wagten hier einen neuen Anfang, bewirtschafteten das Land, schufen Brandenburg und machten es zu ihrer Heimat und zu einem - immer im Kontext der Zeit zu sehen - toleranten, weltoffenen Land. Damals wie heute spielte Sprache keine Rolle. Brandenburger sein, war keine Frage der Sprache und nicht nur eine Frage der Geburt, sondern auch eine Frage des Bekenntnisses.

Bin sowieso dafür, den nationalen Schmus beiseite zu lassen und zugleich regionaler und europäischer zu denken. Unser Mitmenschen auf der östlichen Seite der Oder sind uns sicher ähnlicher in Sorgen, Nöten, Charakter und Mentalität als jemand von der Saar oder vom Rhein. Wir sind eine Region mitten in Europa. Und historisch betrachtet ist das Bundesland Brandenburg nur der Teil der Mark Brandenburg, der heute eben auf deutschem Hoheitsgebiet liegt und die Wojewodschaft Lebus und die beiden südlichen Kreise der Wojewodschaft Westpommern sind der Teil der Mark Brandenburg der eben unter polnischer Hoheit steht.

Kulturlandschaft bleibt Kulturlandschaft. Sollen sich die Nationalen und Nationalisten wegen einer Grenze die Münder fusselig sabbeln, und gekünstelte Unterschiede heraufbeschwören, letztendlich ist es eine Frage des Willens und der eigenen Einstellung. Eine tolle "neue" Entwicklung, die uns hoffentlich eine "alte" Tradition ins Bewußtsein rückt und uns zeigt, was dieses Land schon immer ausmachte....

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