Leichte Sprache

Wen wählen Jugendliche und warum?

Unser Autor hat sich an seiner alten Schule umgehört, mit Freunden gesprochen und Kommentare in sozialen Netzwerken gelesen. Für die Wahlentscheidung von Jugendlichen sind konkrete Botschaften wichtig. Aber nicht nur - auch das Gefühl zählt.
MabelAmber auf Pixabay

Wonach entscheiden junge Menschen, wo sie ihr Kreuz am Wahltag machen? Dazu habe ich mich an meiner alten Schule umgehört, mich mit Freunden unterhalten und Kommentare in sozialen Netzwerken gelesen. Heraus kam, dass nicht einzelne Personen entscheidend sind – auch wenn gerade diejenigen, die noch nicht wahlberechtigt sind, einige Sympathien für Angela Merkel hegen, einfach, weil diese so bekannt ist.

Für die allermeisten sind die Programme der Parteien wichtig. Nicht jedoch die langen, schwer verständlichen Brocken, die auf Parteitagen beschlossen werden. Jugendliche wollen konkrete Aussagen. „VW und Co. haben betrogen, deshalb wollen die Grünen eine Verkehrswende.“, „ Die Türkei wird unter Erdoğan nie in die EU kommen, das hat Martin Schulz im TV-Duell gesagt.“ oder „Einer von der CDU würde Eltern am liebsten zwingen, ihre Kinder in die Schule zu schicken“. Das sind Dinge, die hängenbleiben und über die wir uns unterhalten.

Internet first

Danilo Zoschnik

Der Autor
Danilo Zoschnik hat gerade sein Abitur in Eberswalde gemacht und nun Zeit, die Wochen bis zur Bundestagswahl bei uns durchzubloggen.

Erste Quelle ist das Internet. Was ein YouTuber nicht in seinem Video vorstellt, was auf Twitter nicht diskutiert wird, was nicht als Eilmeldung bei SPIEGEL ONLINE erscheint, das nimmt der durchschnittliche Erstwähler in der Regel nicht wahr. Auf diesem Weg gelangen viele programmatische Punkte und Inhalte der Parteien zu interessierten Jungwähler*innen.

Aber Fakten sind nicht alles. Viele Jugendliche sympathisieren mit Parteien, weil sie sich mit deren Grundüberzeugungen identifizieren. Ein Gefühl von: „Na, wenn ich einer Partei angehören müsste, dann bestimmt der da, weil die Leute dort ähnlich ticken“. Das zeigt auch: Anders, als aus manch populistischer Ecke behauptet, gibt es in Deutschland kein ‚Parteienmischmasch‘. Ein junger Firmenerbe, eine Ökologie-Studentin, ein Azubi in der Pflege – die kommen oft aus Milieus mit himmelweiten Unterschieden und haben ganz unterschiedliche Parteipräferenzen.

Schicksalswahl 2017

In meiner kleinen Schulumfrage wollte ich wissen, was die Schüler*innen von „ihrer“ Partei erwarten. Hier eine Auswahl der Antworten: mutige Zukunftskonzepte, Trendwenden müsse man ernst meinen, die Partei müsse über den Tellerrand schauen und nicht nur die nächsten vier Jahre in Deutschland, sondern die nächsten Jahrzehnte für Europa und die Welt im Blick haben. Da schwingt eine Menge Vertrauen in die Tatkraft und Wirkung von Parteien mit. Der Vorschuss, den die, die bald zum ersten Mal an den Urnen stehen, den Parteien damit gewähren, darf aber nicht für selbstverständlich gehalten werden.

In der „Schicksalswahl 2017“, davon ist mitunter die Rede, geht es um Werte, um Richtungsentscheidungen und darum, ob Generationengerechtigkeit jetzt wirklich angepackt wird. Wenn die Jungen bei dieser Wahl nicht ernst genommen werden, dann sind all die Versuche, sie für Politik zu gewinnen, Verschwendung gewesen!
 

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