Leichte Sprache

Stereotype und woher sie kommen

Mann mit Kippa

Stereotype über Juden reichen weit in die Vergangenheit zurück und sind tief in der Gesellschaft verankert. Es gibt rassistisch, religiös und ökonomisch begründete Vorurteile gegenüber Juden. Sie werden seit der Antike von Generation zu Generation weitergegeben und halten sich bis heute im Alltagsbewusstsein vieler Nationen.

Juden haben zuviel Macht im Geschäftsleben.“
21% stimmen dieser Aussage zu.*

Die christliche Theorie, wonach Christus durch die Juden ermordet worden sei, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Daher rührt der diffamierende Begriff des „Christusmörders.“ Das Klischee vom „geldgierigen Juden“ ist ein weiteres, stark verbreitetes Vorurteil. Auch dieses wurzelt weit in der Vergangenheit.

Der wandernde Ewige Jude, farbiger Holzschnitt von Gustave Doré, 1852, Reproduktion in einer Ausstellung in Yad Vashem, 2007Im 12. Jahrhundert wurde es Juden verboten, Land und Acker zu besitzen, zudem wurden sie aus Kaufmannsgilden und Handwerkszünften ausgeschlossen. Als Erwerbstätigkeit blieb ihnen oftmals nur noch der Handel, darunter auch der Handel mit Geld, welcher das Klischee vom geldgierigen Juden bis heute nährt und den Begriff des „Wucherjuden“ prägte.

Zwischen 1880 und 1945 herrschte eine rassentheoretische Annahme vor: Nach dieser Auffassung waren die Juden eine minderwertige Rasse, die im Kampf ums Dasein gegenüber der arischen Rasse unterlegen sei. Hitler und die Nationalsozialisten begründeten mit dieser Theorie die Verfolgung und Vernichtung der Juden. Rechtsextreme Antisemiten vertreten noch heute diese Ansicht.

Die genannten Vorurteile sind tief in der Geschichte und Gesellschaften weltweit verwurzelt und werden über Generationen weitergegeben. Darum reicht es nicht aus, dem Antisemitismus mit bloßen (historischen) Gegenargumenten zu begegnen. Das Kennenlernen jüdischen Lebens in der Gegenwart kann hingegen Unwissen abbauen und Toleranz und Respekt fördern. Die frühzeitige Aufklärung über die Religion des Judentums kann zudem helfen, verbreiteten Klischees entgegenzuwirken.

Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam hat auf den latenten Antisemitismus in der Gesellschaft hingewiesen: „Juden, die die Kippa oder traditionelle Kleidung tragen, laufen leider immer Gefahr, angepöbelt zu werden. Das ist kein Brandenburger Problem. Das kann einem auf dem Kudamm ebenso passieren wie in Bayern.“*

 

Synagogen in Brandenburg:

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich auch in Brandenburg wieder jüdisches Leben - jedoch ohne Synagogen. Die jüdischen Gemeinden verfügen über Gemeindezentren, die sie auch für synagogale Zwecke nutzen. Die erste Synogoge in Brandenburg seit 1938 wird am 27. Januar 2015, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, in Cottbus offiziell eröffnet. Eine Besonderheit: Das jüdische Gotteshaus ist in einer ehemaligen evangelischen Kirche entstanden, die lange ungenutzt war. In der Landeshauptstadt Potsdam dauern die Verhandlungen um die Errichtung einer Synagoge indessen noch an.

Dem Zentralrat der Juden in Deutschland zufolge gibt es bundesweit rund 80 Synagogen.

 

Mareike Böke, Oktober 2012 (aktualisiert von Landeszentrale im Oktober 2014)

 

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