Leichte Sprache

Biologisches Erbe

„Nur das biologische Erbe zählt.“

Längst ist erwiesen, daß das Erbliche bei Einzelnen wie bei Völkern und Rassen (als evolutionsbiologischen Lebensordnungen verwandter Menschen) gleichermaßen für die Ausbildung körperlicher wie nicht-körperlicher Merkmale verantwortlich ist.“ NPD-Bundesvorstand *

Rasse ist ein Begriff aus der Biologie. Seine wortgeschichtliche Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Sicher ist nur, dass er im romanischen Sprachraum (französisch race, italienisch razza) erstmals im Zusammenhang mit der Varietät von Lebewesen verwendet wurde. Ursprünglich war es eine allgemeine Bezeichnung für verschiedene „Versionen“ einer bestimmten Tier- oder Pflanzenart. Rasse war im wissenschaftlichen Diskurs jedoch ein sehr vager und weit gefasster Begriff.

Biologen verwenden heute die Bezeichnung Unterart oder Subspezies. Bei der näheren Definition einer Unterart treten jedoch die gleichen Probleme wie beim Rassenbegriff auf. Können sich Lebewesen untereinander fortpflanzen, so gehören sie einer gemeinsamen Art an. Allgemein gültige Maßstäbe zur weiteren Einteilung in Unterarten fehlen jedoch.

Die moderne Forschung hat vielmehr gezeigt, dass sich genetische Unterschiede zwischen vermeintlichen Unterarten oft völlig anders darstellen als ursprünglich angenommen. Das hat zur Folge, dass in der heutigen Wissenschaft der Begriff der Unterart / Rasse auch in Bezug auf Tiere zunehmend an Trennschärfe und Bedeutung verliert.

Der Grund, warum in der Evolutionsbiologie und Anthropologie die Unterteilung des Menschen in verschiedene Rassen oder Unterarten kaum mehr betrieben wird, ist die Einsicht, dass eine systematische Einteilung der enormen Vielfalt der Menschen und der fließenden Übergänge zwischen geographischen Populationen nicht gerecht würde.

Eine zentrale Erkenntnis ist beispielsweise, dass der größte Anteil der genetischen Unterschiede zwischen Menschen innerhalb einer geographischen Population – also der vermeintlichen Rasse – zu finden ist (90 %), während die Unterschiede zwischen den geographischen Gruppen nur etwa bei 10 % liegen.(1) Menschen sind zudem nicht pauschal an bestimmte geographische Lebensräume oder Lebensbedingungen gebunden, was eine strikte Trennung in Unterarten zusätzlich erschwert.

Die heutige Wissenschaft hat durchaus nicht aufgehört, die menschliche Vielfalt zu untersuchen. Sie forscht heute jedoch auf dem Gebiet phänotypischer Unterschiede. Phänotyp bedeutet, dass allgemeine menschliche Merkmale, etwa umweltbedingt erworbene, körperliche Differenzen erfasst und erforscht werden, die jedoch nicht zwingend in Verbindung mit dem Genotyp stehen.
 

Zuchtrasse & "Rassenreinheit"

Rasse wird in der Biologie heute nur noch in Bezug auf gezüchtete Haus- und Nutztiere sowie in der Botanik angewandt. Das jeweilige Zuchttier oder die Zuchtpflanze entsteht durch gezielte Inzucht, also Selektion und Isolation durch den Menschen und damit nicht auf natürlichem Wege. Die dadurch herausgeprägten genotypischen Eigenschaften lassen sich deshalb klar von anderen Artgenossen unterscheiden. Inzucht hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit der jeweiligen Population. Es treten vermehrt erbliche Krankheiten auf, zudem erhöht sich die Anfälligkeit für Viren und Bakterien.

Im Rahmen einer UNESCO-Konferenz fand 1996 eine Veranstaltung führender Fachleute unter der Leitung des Wiener Anthropologen Prof. Dr. Horst Seidler zum Thema Rassenkonzept statt. Die anwesenden Wissenschaftler verfassten eine einstimmig verabschiedete Stellungnahme, in der Folgendes erklärt wurde:

„Die neuen wissenschaftlichen Befunde stützen nicht die frühere Auffassung, dass menschliche Populationen in getrennte ‚Rassen’ wie ‚Afrikaner’, ‚Eurasier’ ... oder irgendeine größere Anzahl von Untergruppen klassifiziert werden könnten. Mit diesem Dokument wird nachdrücklich erklärt, dass es keinen wissenschaftlich zuverlässigen Weg gibt, die menschliche Vielfalt mit den starren Begriffen ‚rassischer’ Kategorien oder dem traditionellen „Rassen“-Konzept zu charakterisieren. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff „Rasse“ weiterhin zu verwenden."(2)
 

 

Benjamin Weissinger und Jan Buschbom
2008

 



1) Kattmann, Ullrich: Biologie und Rassenlehre, in: H. Kaupen-Haas/C. Saaler (Hg.): Wissenschaftlicher Rassismus, Oldenburg 1999

2) UNESCO-Workshop: Stellungnahme zur Rassenfrage. In: Biologen unserer Zeit, Nr.5/1996

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