Leichte Sprache

Dienst am Volk

„Geborgenheit durch Dienst am Volk.“

Aus sozialer Gerechtigkeit und dem Solidarprinzip erwächst die ethnisch homogene Volksgemeinschaft. Sozialpolitik bedeutet nach unserer Auffassung die Solidarität des Volkes mit seinen Angehörigen. Sie muß die Geborgenheit des Einzelnen in der Gemeinschaft sichern.” NPD-Parteivorstand*

Erst im Dienst der Allgemeinheit, erst als dienendes Glied im Rahmen des Volksganzen, erwacht der einzelne zu höherem Leben, erst so wird er – jeder an seinem Platze – wahrhaftig eingegliedert in die höhere Ganzheit seines Volkes, erst so begriffen, gewinnt der echte Sozialismus = der Gemeinsinn, wahres Leben. Nur unter der Herrschaft dieses Grundgedankens wird der einzelne ein Gefühl der Geborgenheit gewinnen ...“ Gottfried Feder*

Dass sich der Rassengedanke so nachhaltig in der Gesellschaft etablieren konnte, hängt vor allem mit dem Zusammenspiel der beschriebenen Behauptungen und Vorurteile und dem Bedürfnis zur sozialen Gruppenabgrenzung zusammen.

Menschen neigen dazu, sich einer bestimmten Gruppe zuzuordnen. Dies wirkt identitätsstiftend und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Die Erfahrung von etwas Unbekanntem kann in Menschen hingegen Unsicherheit und Angst auslösen. Versucht man nicht, das Unbekannte oder seine Angst davor zu hinterfragen und zu verstehen, wird das Unbekannte ausgeschlossen. Dies erfolgt in der Regel dadurch, dass dem Ausgeschlossenen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben oder abgesprochen werden, um die ablehnende Haltung (sich selbst gegenüber) zu rechtfertigen. Dieses Verhalten nennt man in der Psychoanalyse Rationalisierung.

Für eine unterbewusste, also nicht gesteuerte Handlung wird nachträglich eine Erklärung konstruiert. Man belügt sich sozusagen selbst.

Unterscheidet sich jemand durch sein Aussehen von einer Gruppe, so mag diese Person der Gruppe im ersten Moment als Fremdkörper erscheinen, doch ist dieser erste Eindruck im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich, insbesondere wenn man bedenkt, wie unterschiedlich Menschen mit ähnlicher Hautfarbe in Bezug auf Größe, Körperbau, Gesichtszüge, Haarfarbe etc. sein können. Die damals von der Wissenschaft geprägte Behauptung, Menschen mit anderer Hautfarbe seien grundsätzlich wesensfremd, kam dieser Einsicht jedoch zuvor. Es diente und dient teilweise heute noch als Rechtfertigungskonstrukt für pauschale Ablehnung.

Viel stärkere Faktoren für soziale Gruppenbildung wie etwa gemeinsame Werte- und Moralvorstellungen oder gemeinsame Interessen werden nicht mehr berücksichtigt, da Kontakt von vornherein ausgeschlossen werden. Das schwache Abgrenzungsargument des Aussehens lässt sich durch Rassentheorien also unterfüttern und verstärken, oder anders formuliert:

Die Furcht vor dem Fremdartigen und die Wahrnehmung kulturell bedingter Verhaltensunterschiede lässt sich damit unter Umgehung einer kritischen Hinterfragung als angeblich natürliche Barriere zwischen Menschen darstellen:

Die wesentlichen Aussagen der anthropologischen Rassenkunde zeigen deutlich den bestimmten Einfluss sozialpsychologischer Faktoren. […] Hier liegt offen zu Tage, dass die Anthropologen bei ihren systematischen Bemühungen nicht nach naturwissenschaftlichen definierten Merkmalen klassifizieren, sondern sich ebenso wie andere Menschen von Alltagsvorstellungen leiten lassen, die vom kulturellen und sozialen Umfeld geprägt sind.“ (1)

Ein weiterer Grund, warum sich der Rassengedanke in der Gesellschaft etablieren konnte, führt in den politischen Bereich. Denn die vermeintliche Überlegenheit der „Weißen“ legitimierte und rechtfertigte die Bevormundung und Ausbeutung der fremden Kulturen, wie sie etwa in der Kolonisierung Afrikas und der Etablierung der Sklaverei zum Ausdruck kam.

Auch als die Sklaverei in Europa abgeschafft wurde, diente das Rassenkonzept weiterhin als Vorwand, seiner vermeintlichen oder tatsächlichen Gruppe Vorteile gegenüber anderen zu verschaffen oder Macht auf sie auszuüben, was besonders deutlich in der Verfolgung europäischer Juden als vermeintliche Rasse und in deren Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung zum Ausdruck kam.

Hubert Markl, Professor der Biologe und ehemaliger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, hat in einer Rede zum Thema Entgrenzte Wissenschaft: Der Irrweg von Evolutionsbiologie und Genetik zu Rassismus und Mord das fatale Zusammenspiel der Wissenschaftler mit den Vorurteilen der Menschen und den von Eigennutz geprägten Zielen der damaligen Gesellschaften so beschrieben: Es sei zwar richtig, dass

Sklavenjäger, Sklavenhändler, Skavenhalter und rassistisch motivierte Antisemiten in vergangenen Jahrhunderten nicht auf evolutionsbiologisch-rassengenetische Hilfestellung gewartet haben, um Menschen anderer Sprache, Religion, Herkunft und Hautfarbe wie Vieh auszubeuten.

Es kann jedoch ebenso wenig geleugnet werden, dass die Wissenschaft, genauer jene biologischen Wissenschaften, die sich insbesondere mit Evolution und Genetik des Menschen und den Ursachen seiner körperlichen und seelischen Krankheiten befassen, und die doch seit Beginn der Neuzeit geradezu als Bannerträger wissenschaftlich aufgeklärter Vernunft die religiös-ideologischen Mythen und Irrlehren einer in Aberglauben und Unmündigkeit befangenen Menschheit zu überwinden behaupteten, mit ihrer aktiven Begründung, Forderung und Förderung rassendiskriminierender gesellschaftlicher und staatlicher Maßnahmen mit einem biologisch-rassistischen ‚Mythus des 20. Jahrhunderts‘ ungeheure Schuld auf sich geladen haben.“ (2)

 

Benjamin Weissinger und Jan Buschbom
2008

 




1) Kattmann, Ullrich: Biologie und Rassenlehre, in: Kaupen-Haas/Saaler (Hgg.): Wissenschaftlicher Rassismus, Oldenburg 1999

2) Markl, Hubert: Entgrenzte Wissenschaft: Der Irrweg von Evolutionsbiologie und Genetik zu Rassismus und Mord. Forum on the Biosciences and Society EMBL, Heidelberg 2001



   

 

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