Leichte Sprache

Hoch stehende Kulturen

„Nur die weiße Rasse ist in der Lage, hoch stehende Kulturen zu bilden.“

[Die Geschichte] lehrt uns, dass jede Zivilisation von der weißen Rasse stammt, dass es keine Zivilisation ohne die Einwirkung dieser Rasse geben kann...”
Arthur de Gobineau *

Im Laufe der Zeit wurde die Theorie der „weißen Rasse“ als vorherrschende, überlegene und kulturstiftende Gruppe der Menschheit insbesondere durch kultur- und staatstheoretische Schriften verfestigt und ausgebaut. Hierbei sind vor allem der französische Aristokrat Arthur de Gobineau und der Brite Houston Stewart Chamberlain zu nennen. 

In seinem “Essay über die Ungleichheit der Menschenrassen” (“Essai sur l’inégalité des races humaines”, 1853 - 1855) vertritt Gobineau die Auffassung, dass die „weiße Rasse“ die Einzige sei, die kulturelles Leben aufbauen und dauerhaft am Leben erhalten könne. Die anderen Rassen seien zu dieser Form der Kreativität nicht fähig und müssten daher von einer höheren Rasse geführt werden.

Eine Vermischung der Rassen führe zur Degeneration von überlegenen und kulturstiftenden Ur-Rassen. Gobineau erschuf in diesem Zusammenhang den Mythos der arischen Rasse, den später die Nationalsozialisten aufgreifen sollten.

Wie der deutsche Philosoph Ernst Cassirer in seinem Buch "Der Mythus des Staates" darlegt, folgt Gobineau der Tradition der bisherigen Rassentheorien, willkürliche Thesen und Zusammenhänge zu erstellen. Bezeichnenderweise wähnt sich Gobineau dabei als Fürsprecher der Wissenschaft. Die Vorgehensweise Gobineaus ist jedoch das genaue Gegenteil seines Anspruches.

Am Beispiel der These, dass nur die „Weißen“ Kulturen aufbauen können, lässt sich das gut veranschaulichen: Jahrtausende alte, chinesische und amerikanische Hochkulturen, die nicht in das Konzept Gobineaus passen, werden kurzerhand damit erklärt, dass Weiße sie seinerzeit errichtet haben müssen. Dafür gibt es keinerlei historische Hinweise, was Gobineau sogar einräumt. Er argumentiert aber, dass es so gewesen sein muss, weil nur die „Weißen“ dazu imstande seien.

In der Logik, also der Lehre des vernünftigen Schlussfolgerns, nennt man diese Form der Argumentation petitio principii oder auch Zirkelschluss. Das, was eigentlich bewiesen werden soll, wird im Zuge der Beweisführung schon für gültig erklärt. Das macht die Beweisführung schlicht und ergreifend unlogisch. Gobineaus Auffassung, dass die Rassenfrage der entscheidende Lenker der Geschichte war und ist, basiert auf derselben, selbsterfüllenden Argumentation. Alle vermeintlichen Beweise, die er ins Feld führt, sind speziell zur Erfüllung seiner Thesen konstruiert.

Seine Tatsachen stimmen immer mit seinen Prinzipien überein; denn, wenn die historischen Tatsachen fehlen, werden sie auf Grund seiner Theorien eingefügt und hinzugedichtet.“ (1)

Dies machte Gobineaus Werk zu einer geeigneten Grundlage für politische Ideologien wie den Rassismus und das totalitäre Staatssystem – nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch. Dadurch, dass sich die Rassentheorie immer weiter von wissenschaftlich und empirisch nachvollziehbaren Fakten löste, waren der Phantasie des jeweiligen Autors keine Grenzen mehr gesetzt.

 

Benjamin Weissinger und Jan Buschbom
2008

 



1) Cassirer, Ernst: Vom Mythus des Staates, Hamburg 2002, S. 296

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Rassenentstehung

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