Leichte Sprache

Körpermerkmale

“Dass es menschliche Rassen gibt, ist schon an der Hautfarbe und anderen Körpermerkmalen offensichtlich.”

Da die Deutschen in der Mitte Europas [...] eine Mischung der europäischen Rassentypen sind (...), kann natürlich die Zugehörigkeit zum deutschen Volk nicht allein über ‘nordische’ Merkmale (wie Körpergröße, Haar- und Augenfarbe) bestimmt werden.

Anders sieht es aus, wenn ein Mensch aufgrund seiner Körpermerkmale einem völlig anderen Rassen- und Kulturkreis angehört, die ihn nicht als zur deutschen Volksgemeinschaft zugehörig ausweisen. Demzufolge lassen sich beispielsweise negroide und asiatische Menschen nur schwerlich in das deutsche Volk assimilieren. Dies ist vom völkischen Standpunkt aus gesehen auch nicht erwünscht.“ Jürgen Schwab *

Die Anfänge der Rassentheorien

Ihre Ursprünge haben die Rassentheorien in der Zeit der Erschließung der Welt durch europäische Entdecker und die anschließende Kolonialisierung und Ausbeutung Afrikas und Amerikas.

Die Eindrücke von andersfarbigen Menschen, ihrer unbekannten Sprachen und ihrer fremden, kulturellen Gebräuche

weckten in der europäischen Wissenschaft den Wunsch, die Menschheit wie die Tier- und Pflanzenwelt systematisch zu ordnen. Der französische Forscher Francois Bernier war einer der Ersten, der den Begriff der Rasse in Bezug auf die Einteilung von Menschen verwendete. In seinem Werk Nouvelle division de la Terre, par les differentes Espèces ou Races d’hommes qui l’habitent schlug er vor, die Erde neu und anhand der Verbreitung unterschiedlicher Rassen einzuteilen.

Der Vater der biologischen Systematik, Carl von Linné, teilte die Menschheit in seinem Werk Systema Naturae in der 10. Ausgabe 1758 in vier geographische Varietäten:

  • Americanus rufus, cholericus, rectus
  • Europaeus albus, sanguineus, torosus
  • Asiaticus luridus, melancholicus, rigidus
  • Afer niger, phlegmaticus, laxus

Dieser Ansatz eines Wissenschaftlers, dessen zoologische Nomenklatur, also das System zur Erfassung und Einteilung von Lebewesen, wegweisend für die Biologie wurde, verwendete in Bezug auf den Menschen bereits eine Vielzahl vorschneller und unfundierter Behauptungen und folgte damit, anstatt im Geiste der Wissenschaft ein differenziertes Bild zu zeichnen, dem Bedürfnis zur Schaffung klarer Strukturen.
Von Linné, Carl: Systema Naturae, 10. Auflage 1758, auf: http://gdz.sub.uni-goettingen.de/no_cache/dms/load/img/?IDDOC=265100, Göttinger Digitalisierungszentrum

Die Einteilung der vier Varietäten in vier Farben (weiß, gelb, rot, schwarz) hält einer genaueren Untersuchung nicht stand. Dabei geht es nicht allein um die nicht berücksichtigten, zahllosen Übergänge und Abstufungen bezüglich der Hautpigmentierungen der Weltbevölkerung.
 

Die Hautfarbe lässt sich – wie viele andere morphologische Unterschiede zwischen Menschen – an Umwelteinflüssen festmachen und kann sich schnell verändern. Die Hautfarbe hängt mit dem UV-Einstrahlungsgrad zusammen und hat an geographisch klar voneinander getrennten Orten ähnliche Hautmerkmale herausgebildet. Folglich ist die Hautfarbe – wie viele andere äußerliche Merkmale – zur endgültigen Bestimmung verwandtschaftlicher Verhältnisse innerhalb einer Gruppe ungeeignet.

Wie Walter Demel in seinem Beitrag zur Frühgeschichte der Rassentheorie darstellt, entspricht die Hautpigmentierung vieler Chinesen beispielsweise der von Südeuropäern, etwa Spaniern, Italienern oder Griechen. Um das Farbkonstrukt nicht zu zerstören, wurden die Südeuropäer von Linné kurzerhand zu weißen, die Chinesen zu gelben Menschen erklärt. Beides ist offenkundig falsch. Es legte jedoch den Grundstein für die – vielen Rassentheorien eigene – Willkür, mit der vermeintlich klare Grenzen gezogen wurden, wo in Wahrheit keine bestehen. (1)

Linné wies den jeweiligen Gruppen auch vermeintlich angeborene Eigenschaften zu, die er auf die Verteilung bestimmter Körpersäfte zurückführte – ein aus der Antike stammendes und zu Lebzeiten von Linné weit verbreitetes medizinisches Konzept.

So wurde den Gruppen pauschal die Neigung zu einer bestimmte Geistes- und Gemütshaltung zugeschrieben, ohne dies an Studien oder Daten festmachen zu können. Wie der Anthropologe Professor Dr. Ulrich Kattmann feststellt, wurde dadurch „sogleich die Verbindung von ‚Rasse‘ und Seele (naturwissenschaftlich) begründet.“ (2) Eine Annahme, für die es bis heute keine wissenschaftlichen Beweise gibt.

Diese Verbindung hatte Folgen. Alsbald korrespondierte die Annahme, man könne die Menschen auf diese Art und Weise unterteilen, mit der Wahrnehmung der Europäer, den fremden Kulturen überlegen zu sein. Hierbei wurde versucht, den zu der Zeit zweifellos vorhandenen, technologischen und wissenschaftlichen Vorsprung Europas gegenüber anderen Regionen der Welt als Resultat eines überlegenen Intellekts zu deuten.

Der große deutsche Philosoph Immanuel Kant etwa glaubte zu wissen:

In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der ‚race‘ der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“ (3)

Dass sich sogar ein Empiriker und Aufklärer wie Kant solche Stereotypen und Vorurteile zueigen machte, zeigt das ganze Ausmaß der Problematik. Die Bereitschaft, diese für Europäer vorteilhafte Hierarchisierung der Menschheit zu übernehmen, war auch bei der wissenschaftlichen und intellektuellen Elite sehr ausgeprägt. Dieser Umstand ist bis weit in das 20. Jahrhundert hinein zu beobachten und auch heute noch nicht gänzlich verschwunden.


Benjamin Weissinger und Jan Buschbom
2008




1) Demel, Walter: Wie die Chinesen gelb wurden. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Rassentheorien. In: Historische Zeitschriften 255, 1992

2) Kattmann, Ullrich: Biologie und Rassenlehre, in: Kaupen-Haas/Saaler (Hgg.): Wissenschaftlicher Rassismus, Oldenburg 1999

3) Kant, Immanuel: Bestimmung des Begriffs einer Menschenrasse, 1785. In: Weischedel (Hg.): Werke in sechs Bänden, Band IV, Darmstadt 1975

 

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