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Volksgemeinschaft

Die Idee von der Volksgemeinschaft ist im modernen Rechtsextremismus herausragend. Sie ist Kern eines Weltbildes, das seinen Anhängern ein positives Selbstbild und eine eigene Lebens- und Erfahrungswelt bietet.

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Der Begriff der "Volksgemeinschaft" nimmt im modernen Rechtsextremismus einen herausragenden Stellenwert ein. Er ist Kern eines Weltbildes, das seinen Anhängern ein positives Selbstbild und eine eigene Lebens- und Erfahrungswelt bietet. In der rechtsextremen Auffassung grenzt sich "Volksgemeinschaft" grundsätzlich von allem ab, was zum „System“ gehört: Demokratie, Freiheit, Gleichheitsvorstellungen oder die Rechte des Individuums.

Die Idee der Volksgemeinschaft ist keine Erfindung der heutigen Rechten. Völkische Vorstellungen kamen in Deutschland im 19. Jahrhundert auf. Damit verbunden war die Vorstellung von einem Volk als einheitlicher, homogener Organismus, der sich von anderen Völkern biologisch, kulturell und historisch abgrenzt und besondere Charaktereigenschaften hat. Der Charakter des eigenen Volkes war in diesem Weltbild den anderen überlegen.

Volksgemeinschaft wird als fundamentaler Gegenentwurf zu Gesellschaft verstanden - als eine Schicksalsgemeinschaft, in der der Einzelne einen festen Platz und eine klar umrissende Aufgabe zu erfüllen hat. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Krisen, in der viele Menschen ihren Halt zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit verlieren, wirkt diese Vorstellung vielversprechend. Vor allem auch für junge Menschen, die noch nach ihrem Platz in der Gesellschaft oder im Leben  suchen, scheint diese Idee verlockend, weil sie Sicherheit verspricht und eine positive Identität verleiht.

Offen bekennt sich die Argumentationshilfe der NPD zur rassistischen Deutung von "Volk" und "Volksgemeinschaft":

Angehörige anderer Rassen bleiben deshalb körperlich, geistig und seelisch immer Fremdkörper, gleich, wie lange sie in Deutschland leben, und mutieren durch die Verleihung bedruckten Papiers nicht zu germanischstämmigen Deutschen" weiterlesen

Doch was bleibt übrig von der Volksgemeinschaft im wirklichen Leben? Ein Blick in den eigenen Freundeskreis, ja die eigene Familie, reicht manchmal schon aus. Jeder Mensch ist verschieden, hat unterschiedliche Interessen und häufig auch unterschiedliche Vorstellungen davon, wie er oder sie leben möchte.

Genau das aber unterstellt die Idee von der Volksgemeinschaft: die Einheitlichkeit (Homogenität) eines Volkes. Das widerspricht der Realität. Die Verwirklichung völkischer Ideen braucht daher – einhergehend mit der Abwertung Anderer – Gewalt und einen autoritären Staat. Wohin das führen kann, zeigt ein Blick in die eigene Geschichte: Die historische nationalsozialistische Bewegung verstand sich als wesensgleich mit der völkischen und setzte diese Ideen in die Tat um. 

 



Beitrag nach: Daniel Krüger, Brauner Spuk? – Rechtsextreme in Südbrandenburg und was wir tun können. Eine Informationsbroschüre über Rechtsextremismus in der Region. Hg. Demos – Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung/ Mobiles Beratungsteam Cottbus (Dezember 2012)

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