Leichte Sprache

Nazis im Netz

Immer häufiger verbreiten Neonazis Hassparolen und rassistische Gewalt über soziale Netzwerke im Internet. Ihr Ziel: junge Menschen, zu deren Alltag Facebook, Twitter und Co. gehören. Nicht immer sind die menschenfeindlichen Botschaften sofort als solche zu erkennen.
Facebookseite der NPD Oberhavel

Neonazis haben das Internet längst als Aktionsraum für sich entdeckt. Nirgendwo sonst kann man sich so schnell mit Gleichgesinnten in aller Welt vernetzen, zum Aufmarsch mit Masken und brennenden Fackeln verabreden, Flashmobs organisieren und seine Ideen vermeintlich sicher vor Strafverfolgung öffentlich machen. Weil Szenefremde aber eher selten gezielt rechtsextreme Webseiten ansteuern, bieten sich soziale Medien - ob als Facebook, YouTube, Twitter, Schüler- oder Studentenplattformen geradezu an. Denn durchs teilen, liken und folgen lassen sich Botschaften nicht nur schneller verbreiten. Es werden auch Menschen erreicht, die mit rechtsextremen Inhalten bislang keine Berührungspunkte hatten - vor allem junge Menschen, für die Facebook und Co. zum Lebensalltag gehören.

Eine Strategie fällt dabei besonders auf: Es werden Themen aufgegriffen, die Jugendliche auch emotianal bewegen. Hat man sich dann erst einmal per Klick dazu bekannt, dass zum Beispiel die Todesstrafe für Kinderschänder ganz cool wäre oder die Freiheit mit der Sicherheit stirbt, gibt es weitere "Informationen", die dann offensiver rechtsextreme Positionen enthalten. Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus bei jugendschutz.net - einer staatlich finanzierten Stelle, die das Internet nach jugendgefährdenden Inhalten durchforstet - beschreibt dieses Vorgehen so:

Moderne Neonazis präsentieren sich als Menschenfreunde, die sich 'kümmern' und der jungen Generation modische Styles, Action und Events bieten. Andererseits suchen sie sichere Häfen im Netz, wo sie ungehindert und immer aggressiver gegen Minderheiten hetzen".

Coverausschnitt der Broschüre

Liken. Teilen. Hetzen.
Neonazi-Kampagnen in Sozialen Netzwerken
Broschüre von Nonazi.net

Zentrale rechtsextreme Botschaften werden heute vor allem über Videoclips und Musik verbreitet, Facebook und Youtube stehen dabei an der Spitze. 2012 verzeichnete jugendschutz.net über 7.000 rechtsextreme Angebote im Internet (2011: rund 5.400), den größten Teil davon im Social Web (5.500).

Wichtigstes ideologisches Leitbild dabei: die homogene ethnische Volksgemeinschaft - eine Vorstellung, die auch im nationalsozialistischen Weltbild im Mittelpunkt stand. Daraus wird Hass gegen alles, was angeblich fremd ist, abgeleitet: gegen Ausländer, gegen Juden, gegen Sinti und Roma, gegen den Islam.

Fremdenfeindlichkeit ist ein zentrales Element rechtsextremen Denkens und zeigt sich im Internet unter anderem in Parolen, die sich auch im Parteiprogramm der NPD finden:"Arbeitsplätze zuerst für Deutsche", "Minarettverbot auch hier", "Ausländer rein? Wir sagen nein!". Besonders problematisch sind Videos mit diesen Inhalten, weil sie auf Youtube und in sozialen Netzwerken eine riesige Nutzerzahl erreichen können - mit einem Klick.

Nicht auf den ersten Blick zu erkennen: Unter dem Namen "Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf" mobilisiert eine anonyme Gruppe auf Facebook gegen eine  Notunterkunft für Flüchtlinge, die in dem Berliner Stadtbezirk geplant ist. Im Juli 2013 "sprachen" mehr als 3.000 Facebook-Nutzer darüber. Unter den Kommentaren finden sich für die rechte Szene typische Hetzparolen gegen Ausländer und populistische, griffige Propagandaplattheiten wie die "Nein zum Heim"-T-Shirts.

Aber auch Twitter wird in der rechten Szene immer beliebter. So hat sich die Zahl der Twitter-accounts (Kanäle) zwischen 2011 und 2012 von rund 140 auf fast 200 erhöht. Wofür der "Zwitscherdienst" genutzt wird, zeigte sich 2011, als über Twitter die neueste NPD-Schulhof-CD zum Download angeboten wurde.

Was tun?

Was kann man tun gegen Neonazis im Netz? Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, sieht eine doppelte Verantwortung - zum einen bei den Betreibern von Internetplattformen, die sich der Wahrung von Menschenrechten verpflichtet fühlen müssten. Zum anderen aber auch bei der Netzgemeinde - der Community selbst.

Wir brauchen Betreiber, die Hassinhalte und Gewaltaufrufe entschieden unterbinden... Wenn wir es mit dem Internet als freiheitlichem Medium Ernst meinen, sind [aber auch] User unerlässlich, die sich mit Minderheiten solidarisieren, sich gegenseitig unterstützen und Naziparolen mit Argumenten die Stirn bieten."

Dies zielt auch darauf ab, dass Nutzer rechtsextreme Inhalte konsequent bei den Betreibern (Facebook, Youtube) oder auch bei jugendschutz.net melden. Bestenfalls werden die Inhalte am Ende gelöscht. Klar dürfte jedoch auch sein, dass dies gegenwärtig ein Kampf gegen Windmühlen ist. Ein neues Profil ist schnell erstellt und was in Deutschland verboten und strafbar ist, gilt in anderen Ländern als Meinungsfreiheit - weshalb Rechtsextreme mit ihren Webseiten auch zunehmend auf ausländische Betreiber ausweichen.

Appelle - wie die von Krüger gründen auf moralischen und ethischen Vorstellungen von dem, was menschlich hinnehmbar ist. Doch lässt sich damit etwas grundsätzlich bewegen?

Nennen Sie mir eine Schlechtigkeit in der Welt, die nicht für Geld getan wird... Ich glaube nicht, dass die Liebe die Welt bewegt, sondern eher das Geld", meint etwa Hilmar Kopper, unter anderem Ex-Aufsichtsratschef der Deutschen Bank.*

Hat Kopper Recht, dann werden die Anbieter diverser sozialer Netzwerke wohl erst konsequenter gegen die menschenfeindliche Propagandaoffensive der rechten Szene vorgehen, wenn lukrative Werbepartner abspringen und damit der Umsatz am Ende nicht mehr stimmt.

 

Landeszentrale, Juli 2013

CC-Lizenz

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Kommentare

Mach ich anders

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Informativ...

...finde ich den Beitrag - danke sehr!

Das Ende jedoch empfinde ich als etwas verwirrend.

Ist das nun als Appell gemeint an die Unternehmen? Es klingt (leider) eher wie ein Abschluss-Fatalismus, so à la "Geld regiert die Welt, da kann man auch gegen Nazis nichts machen"??!

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Geld regiert die Welt. Das

Geld regiert die Welt. Das ist ja nun nicht gerade verwirrend. Appelle ans Gutmenschentum haben wir genug. Gut dass auch mal die Internetwirtschaft in den Blick rückt.

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Nachdenkenswert

dieser gute Beitrag... die Netzgemeinde muss aktiver und erkennbarer werden!

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