Leichte Sprache

Hacken in der politischen Bildung

Manipulation oder politische Partizipation?
Hacker - das sind die Bösen, nicht wahr? Sie dringen in fremde Computer ein, manipulieren Daten und ganze Internetseiten. Dass "hacken" auch für die politische Bildung nützlich sein kann, soll das kostenlose Online-Programm "Hackasaurus" zeigen.
Anonymous Hacker; Foto: Brian Klug

„Hackasaurus“: Jeder kann ein Hacker sein

Das Web-Tool Hackasaurus ermöglicht die Veränderung von Web-Inhalten – ohne dass besondere Vorkenntnisse nötig sind. Mit Hackasaurus können Inhalte von Webseiten verändert und neu gestaltet werden. Ganz einfach und schnell kann praktisch jeder Nutzer beliebige Internetseiten mit neuen Überschriften, Texten, Bildern, Verlinkungen und Videos versehen.

Hackasaurus
Wichtiges Instrument: die Röntgenbrille. So funktioniert’s.

Stellen Sie sich vor: Sie mögen die Titelseite der Bild-Zeitung nicht oder stoßen sich an einem Artikel der Potsdamer Neuen Nachrichten und finden außerdem, dass die Märkische Allgemeine Zeitung mal ein Foto von Ihnen im Kulturteil bringen sollte? Das alles ist mit Hackasaurus kein Problem, weil damit praktisch jeder zu einem „Hacker“ werden kann.
Das klingt zunächst spannend und nach einer Menge Spaß, denn der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aber sind damit nicht Fälschungen und Manipulationen von Informationen im Internet Tür und Tor geöffnet. Und schließlich – ist Hacken nicht strafbar?

Manipulation oder politische Partizipation?

Zunächst einmal: Strafbar ist dieses Hacken nicht. Denn ein Hackasaurus-Hack verändert nur eine Kopie der Seite und niemals das Original. Vorgenommene Änderungen werden so nur für diejenigen sichtbar, die einen extra dafür generierten Link aufrufen.

Eine Manipulation vorhandener Informationen bleibt es aber dennoch und darüber hinaus können sie in Windeseile weiterverbreitet werden. Warum wird das Tool trotzdem für die politische Bildung empfohlen? Hier geht es doch gerade darum, auf der Grundlage solider Quellen gesellschaftspolitische Hintergründe darzustellen, breit aufzuklären und die Bürger zum Mitmachen anzuregen.

Genau an dieser Stelle – beim Mitmachen – knüpfen die Befürworter des Tools an. So heben zum Beispiel die Aktivisten der Internetplattform pb21, das unter anderen von der Bundeszentrale für politische Bildung betrieben wird, die grundsätzliche „geistige Verwandtschaft“ von Web 2.0 und politischer Bildung hervor:

So wie User im Web 2.0 nicht mehr nur ein passives Publikum bilden, sondern jeder auch Sender ist, so sieht die politische Bildung die Menschen nicht nur als Bewohner/innen eines Staates, sondern als Bürger/innen, die zum Gemeinsamen beitragen, die sich engagieren und gestalten, die sich untereinander verbinden, austauschen und diskutieren – kurz: die partizipieren.“ Jöran Muuß-Merholz

Und tatsächlich: Erste Erfahrungen mit Jugendlichen scheinen dem Erfolg der Hackasaurus-Methode Recht zu geben. Das „Hacken“ ermöglicht die kreative Auseinandersetzung mit vermeintlich trockenen politischen Themen. Genutzt wird dabei der Spaßfaktor, denn beim Hackasaurus geht es auch darum, mit den Möglichkeiten des Internets „zu spielen“: Teile werden ausgeschnitten, kopiert, anders zusammengesetzt und es entsteht etwas Neues, Eigenes. In der kritischen Hinterfragung dieser Methoden und der Ergebnisse werden Jugendliche dazu angeregt, sich mit den Informationen, die das Internet in einer zunehmend digitalen Gesellschaft bietet, auseinanderzusetzen.

Wenn es so einfach ist Online-Inhalte zu manipulieren, sollten wir vielleicht etwas genauer hinschauen, bevor wir Informationen für bare Münze nehmen“ (Ein Workshop-Teilnehmer)

So könnte Hackasaurus dabei helfen, dass Nutzer von digitalen Konsumenten zu mündigen und aktiven Produzenten im Internet werden. Wenn sich aus der Verbreitung der Seiten im Internet ein Online-Dialog zum Beispiel mit Politikern, Entscheidungsträgern und anderen gesellschaftlichen Akteuren entwickelt, dann würden Hackasaurus-Projekte tatsächlich Anstoß zu echter politischer Partizipation geben.


CC-Lizenz Der Originalbeitrag steht unter CC-by-Lizenz, Autor: Karsten Lucke@karstenlucke und Anselm Maria Sellen@amsellen für pb21.de. (bearbeitet und geändert von: Landeszentrale, Januar 2013)


 

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