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Autonome

Zwischen Anarchie und Bewegung, Gewaltfixiertheit und Lebensgefühl
Der "Schwarze Block": Durch ihr gewalttätiges Auftreten - auffällig in schwarz gekleidet - sind die Autonomen wohl die bekannteste Subkultur im Linksextremismus. Sie formulieren aber kaum politische Inhalte.

Schwarzer Block bei einer Demonstration in Hamburg im Dezember 2007

Zu den Besonderheiten einer linksextremistischen Subkultur

Durch ihr gewalttätiges Auftreten sind die Autonomen wohl die bekannteste Subkultur im Linksextremismus. Sie formulieren aber kaum politische Inhalte.

Die Autonomen werden über die Medienberichterstattung meist nur als "schwarzer Block" bei Demonstrationen wahrgenommen. Aggressive Parolen, martialisches Gehabe und schwarze Kleidung prägen ihr Bild. Doch worum handelt es sich hier? Bilden die Autonomen nur eine Gruppe gewaltfixierter Jugendlicher, geht es in erster Linie um das Ausleben von persönlichem Unmut, handelt es sich um eine von vielen Subkulturen dieser Altersgruppe, stehen sie für eine politische Bewegung mit konkreten Zielen? All diese Fragen lassen sich nur schwer beantworten, geht es hier doch nicht um eine politische Organisation mit klaren Strukturen und politischen Zielsetzungen.

Selbst die eindeutige Identifikation einer Gruppe oder Person als den Autonomen zugehörig ist schwierig. Insofern kann die folgende Darstellung und Einschätzung dieses Teils des Linksextremismus hinsichtlich seiner Verallgemeinerung nur vorbehaltlich gelten. Immer wieder lassen sich von den allgemeinen Merkmalen abweichende Besonderheiten oder Unterphänomene ausmachen.

Herkunft der Bezeichnung aus der Autonomia Operaia

Bereits über die genaue Herkunft der Selbstbezeichnung "Autonome" - was für so viel wie Eigenständigkeit steht - lässt sich keine genaue und zweifelsfreie Aussage treffen. Allgemein wird angenommen, dass man hier an die "Autonomia Operaia" (Arbeiterautonomie) im Italien Ende der 1960er Jahre anknüpfte. Dabei handelte es sich um eine Gruppe von jungen Fabrikarbeitern und Studenten, die sich mit ihren Aktionen bewusst gegen die etablierten Gewerkschaften und die Kommunistische Partei stellten. Ihnen warf man Anpassung und Verbürgerlichung vor. Statt dessen setzten die Anhänger der Autonomia Operaia auf Sabotageaktionen und Streiks. Bei den heftigen Auseinandersetzungen in den Fabriken, wie etwa 1969 bei Fiat in Turin, spielten sie eine bedeutende Rolle. Im Unterschied zur Situation in Deutschland gelang hier teil- und zeitweise ein Bündnis von Arbeitern und Studenten. Es zerbrach allerdings im Laufe der 1970er Jahre wieder. Gleichzeitig lösten sich viele Gruppen der Arbeiterautonomie aufgrund von internen Konflikten und Widersprechen wieder auf.

Die Spontis der 1970er Jahre als Vorläufer der Autonomen

Weitaus bedeutsamer für die deutschen Autonomen sollten die Spontis der 1970er Jahre werden, können sie doch hinsichtlich Aktion, Einstellung, Motivation und Organisation als direkte Vorläufer gelten. Bei den Spontis handelte es sich um ein spätes Überbleibsel der zerfallenen Achtundsechziger Bewegung und zwar von jenen Teilen, die sich weder in Richtung der sowjetmarxistischen DKP noch der maoistischen K-Gruppen orientieren wollten. Die Spontis traten für organisatorische Autonomie ein und legitimierten sich durch ihr Betroffenheitsgefühl. Statt einer entwickelten Ideologie verfügten sie primär über einen subjektiven Voluntarismus.

Insbesondere an den Universitäten entstanden zahlreiche studentische Hochschulgruppen, die von Emotionalität und Lustprinzip geprägt mit humorvollen und unkonventionellen Aktionen auf sich aufmerksam machten. Die damalige Bedeutung der Sponti-Bewegung veranschaulicht ein 1978 in Berlin durchgeführter "Nationaler Widerstandskongress: Reise nach TUNIX" mit 6.000 Teilnehmern.

Ideologische Besonderheiten und Politik der ersten Person

Seit Beginn der 1980er Jahre kann von dem Bestehen der Autonomen als einer eigenständigen Subkultur gesprochen werden. Über ihr politisches Selbstverständnis geben folgende Auszüge aus einem Thesenpapier von 1981 Auskunft: "1. wir kämpfen für uns und führen keine stellvertreterkriege, alles läuft über eigene teilnahme, politik der ersten person, wir kämpfen nicht für ideologien, nicht fürs proletariat, nicht fürs volk, sondern für ein selbstbestimmtes leben in allen bereichen. ... 5. wir haben alle einen 'diffusen anarchismus' im kopf, sind aber keine traditionellen anarchisten. Die begriffe marxismus, sozialismus und kommunismus beinhalten für uns nach allen ihren theorien und praktiken den staat und können somit von uns auch als 'zwischenstufe' nicht akzeptiert werden" (Radikal, Nr. 98/1981).

Hier fällt auf, dass bei der positiven Beschreibung des eigenen Wollens kaum politische Inhalte formuliert werden. Identitätsstiftend wirkt primär eine Einstellung, welche Emotionalität und Subjektivität zum zentralen Maßstab des Denkens erhebt.

Die selbstgewählte Isolation von der Mehrheitsgesellschaft

Unmittelbar aus dieser subjektiven Prägung folgt das durch gewollte Abgrenzung und selbstgewählte Isolation bestimmte Verhältnis zur Welt außerhalb der Subkultur. Offenbar befürchten Autonome mit dem Dialog mit oder dem Einwirken der Gesellschaft oder des Staates den Verlust von eigener Identität oder das Wegbrechen von Anhängern. Dies erklärt auch die unter ihnen immer wieder beschworene Notwendigkeit, sich nicht in das normale Arbeitsleben durch Berufstätigkeit integrieren zu lassen.

Für die gesamtgesellschaftliche Umsetzung ihrer Auffassung können sie ebenso wenig Mittel, Strategie und Wege angeben. Vielmehr erschöpft sich die Haltung der Autonomen in der Verweigerung, die im politischen Engagement per se eine verwerfliche Handlungsweise sieht. Statt dessen strebt man die Eroberung und Verteidigung von Feiräumen an, welche in Form von besetzten Häusern oder dominierten Einrichtungen (z.B. Jugendclubs) gesehen werden. Darüber hinaus gehende positive Benennungen politischer Inhalte und Ziele sucht man bei den Autonomen vergebens.

Die politischen Betätigungsfelder in Protestbewegungen ab der 1980er Jahre

Die politischen Betätigungsfelder der Autonomen sind für diese Frühzeit au folgenden Gebieten zu sehen: Mit der Forderung nach eigenen Freiräumen kam es zu massenhaften Hausbesetzungen in größeren Städten, begleitet von gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Großdemonstrationen gegen Atomkraftwerke nutzten Autonome, um aus der überwiegend friedlichen Gruppe der Teilnehmer heraus Angriffe gegen Polizeiangehörige und Beschädigungen von Einrichtungen durchzuführen. Darüber hinaus kam es zu Angriffen auf Banken, Baufirmen und Militäreinrichtungen, was letztendlich auch die durch Differenzen zur Militanzfrage ausgelöste Abspaltung der Autonomen von der Friedensbewegung bedingte.

Andere friedliche Proteste gegen regionale Vorhaben wie die Startbahn West in Frankfurt/M. oder die bundesweit durchgeführte Volkszählung nutzten Aktivisten der Szene ebenfalls für ihr gewalttätiges Vorgehen. In diesen Fällen mangelte es häufig an einer kritischen Auseinandersetzung der friedlichen Demonstrationsteilnehmer mit den Autonomen.

Die politischen Betätigungsfelder in Protestbewegungen ab der 1990er Jahre

In den 1990er Jahren setzten die Autonomen auf weiteren Themenfeldern ihre Aktivitäten fort, sei es bei Protesten gegen den Golfkrieg oder gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Gegen Angehörige dieses politischen Lagers gingen Autonome auch gezielt vor. In ihrer Hochburg Berlin bildete der "Kampf gegen Umstrukturierung" eine Schwerpunkt der Aktivitäten, wobei es um militante Protestaktionen gegen den Ausbau der Stadt zur Regierungs- und Dienstleistungsmetropole ging.

Seit Ende der 1990er Jahre nutzten Autonome auch Proteste gegen die Globalisierung in Deutschland und im Ausland als Forum für ihre Aktivitäten und Ausschreitungen. Insbesondere bei den Demonstrationen gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer 2007 zeigte sich die hohe Militanzbereitschaft der Szene. Auffällig bei all diesen Ausschreitungen ist aus der Gesamtschau, dass die Autonomen mit ihren Aktivitäten je nach Aktualität von Anlass zu Anlass und Thema zu Thema springen, ohne eigenständig ihnen wichtige Politikfelder anzugehen.

Die quantitative Entwicklung und soziale Zusammensetzung

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden stieg die Zahl der Autonomen in den 1990er Jahren kontinuierlich an, gehörten ihnen 1990 2.300 Personen an, waren es 1996 6.000 und 2001 7.000. Erst ab 2002 kam es zu einem Rückgang auf 5.500 Personen und um diese Zahl bewegte sich das Potential auch Ende 2006. Über die soziale Zusammensetzung liegen keine Forschungsergebnisse vor. Auch hier kann man sich nur auf die Angaben der Verfassungsschutzbehörden stützen.

Demnach sind die Anhänger der Autonomen überwiegend zwischen 18 und 28 Jahre alt, Schüler, Studenten, Auszubildende oder haben eine gescheiterte Ausbildung hinter sich, viele sind arbeitslos, jobben gelegentlich oder beziehen "Staatsknete" (Sozialhilfe). Die Verweildauer in der Szene betrage oftmals nur wenige Jahre. Wie bei allen Verallgemeinerungen gibt es auch hier Ausnahmen: In dieser Subkultur findet man auch Alt-Autonome, die schon die Grenze zum halben Lebensjahrzehnt überschritten haben und ebendort über ein hohes Ansehen verfügen.

Die mangelnde Organisationsstruktur und der lockere Zusammenhalt

Autonome Gruppen in BrandenburgIn Brandenburg finden Autonome mit ihren gewaltbereiten Aktionen zunehmend mehr Anhänger. Ihre Zahl stieg 2015 um 10 Personen auf 200. Parallell steig auch die Zahl der Gewalttaten. (Verf.sch.ber. 2015)

Bei den Autonomen existieren nur schwach organisierte Personenzusammenschlüsse, gelten doch festere Hierarchien und Strukturen als Ausdruck des abgelehnten autoritären Denkens.

Einen Eindruck davon vermittelt folgende Beschreibung aus der Szene, wonach es nicht "die" typische autonome Gruppe gebe: "Statt dessen bilden sich die unterschiedlichsten Konstellationen: Aus Freundeskreisen werden mehr oder weniger kurzlebige Banden oder bei Bedarf aktivierbare Aktionsgruppen; aus Demo-Bekanntschaften ergeben sich spontan handlungsfähige und wieder zerfallende Chaoten-Combos; aus politischen Plena entwickeln sich dauerhafte Gruppen, die auch zur Tat schreiten, in wechselnden und sich auch überschneidenden Zusammensetzungen agieren Gruppen manchmal nur ein einziges Mal, manchmal über Jahre, einige verfestigen sich, andere bleiben lose, manche wandeln sich in Theoriezirkel oder Selbsthilfegruppen" (A.G. Grauwacke, S. 143).

Insofern scheiterten auch immer wieder Bemühungen zur bundesweiten Integration und Organisation.

Das besondere Verständnis von Gewalt als prägender Bestandteil der Bewegung

Die Gewaltbereitschaft bildet ein zentrales, nicht nur handlungs-, sondern auch identitätsbezogenes Merkmal des Agierens der Autonomen. So heißt es in einem Selbstzeugnis: "Aber allen ist gemeinsam, dass die Militanz zum identitätsstiftenden, prägenden Bestandteil der Bewegungserfahrung wird" (A.G. Grauwacke, S. 142). Oder: "Militanz ist in unseren Augen notwendiger Bestandteil linksradikaler Politik, sowohl im allgemeinen Sinn der konsequenten, kämpferischen Haltung an sich, als auch im engeren Sinn von politischer Gewalt" (A. G. Grauwacke, S. 380).

Dabei muss hervorgehoben werden, dass Gewalt nicht nur als Mittel zum Zweck verstanden wird. Vielmehr artikuliert sich in der Bereitschaft zu und der Anwendung von Gewalt auch ein für das Selbstverständnis wichtiges Lebensgefühl. Man empfindet derartige Handlungen als Akt der individuellen Selbstbefreiung von angeblich verinnerlichten Herrschaftsstrukturen. Insofern bedarf Gewalt auch keiner besonderen Legitimation, gilt sie doch als normale Handlungsoption.

Die Funktionen der Gewalt bei Gruppenintegration und Identitätsbildung

Das Überschreiten der Schwelle zur Strafbarkeit wird nicht nur nicht näher problematisiert, sondern als Ausdruck besonders konsequenten Agierens angesehen und geschätzt. Zu ihrer Funktion für die Identitätsbildung hier ein weiteres Selbstzeugnis: "Der Krawall wird zum politischen Ausdruck an sich, der nicht gezielt eingesetzt wird, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern der 'den Preis´ hochtreiben soll, den 'das System´ zu zahlen hat – für ein Atomkraftwerk, ein geräumtes Haus ..." (A. G. Grauwacke, S. 142).

Und für die Funktion der Gewalt zur Gruppenintegration steht folgendes Selbstzeugnis: "Wenn Steine und Mollis flogen, dann war das häufig auch eine Befreiung – von den Zwängen des Alltags, der Unterdrückung und Entfremdung. ... Das mitzubekommen, dabei gewesen zu sein, selbst Hand angelegt zu haben – davon konnten wir tagelang zehren, das gab uns Nahrung für den grauen Alltag. Das stärkte aber auch unsere Gruppenzusammenhalt und das stärkte unsere Gruppe in dem Gesamtgefüge autonomer Zusammenhänge." (A. G. Grauwacke, S. 148).

Die Formen der Gewaltanwendung von Anschlägen bis zu Straßenkrawallen

Bei den Gewalttaten lassen sich unterschiedliche Formen ausmachen: Bei Demonstrationen kommt es häufig zu Krawallen, welche zumeist relativ spontan erscheinen, gleichwohl szeneintern vorbereitet sind. Dabei greift man nicht nur Einrichtungen, Fahrzeuge und Gebäude mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und Steinen, sondern auch gezielt Menschen wie Polizeibeamte und Rechtsextremisten an. Darüber hinaus lassen sich klandestine Aktionen ausmachen, wobei geplant und gezielt Brand- und Sprengstoffanschläge gegen Autohäuser, Dienstfahrzeuge, Elektrizitätswerke oder Job-Center durchgeführt werden.

In den jeweiligen Taterklärungen, die sich häufig in gedruckter Form in dem Szene-Organ "Interim" wiederfinden, versucht man derartige Gewalttaten als notwendig zu rechtfertigen. Hierbei geht es den Tätern jeweils um die "Vermittelbarkeit" der Taten in das eigene politische Umfeld hinein. Insbesondere die "militante gruppe" steigerte in den letzten Jahren immer wieder ihre derartigen Anschlagsaktivitäten.

Der Konflikt zwischen den Antideutschen und den Antiimperialisten

Innerhalb der Autonomen-Szene kommt es immer wieder zu heftigen internen Kontroversen, die mitunter die ganze Subkultur lähmen oder spalten. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gehörte der "Sexismus" zu diesen Themen, warf doch ein gewisser Teil dem anderen Teil der Szene frauenfeindliches Verhalten vor. Seit einiger Zeit besteht eine ähnliche heftige Kontroverse zwischen einem "antideutschen" und einem "antiimperialistischen" Flügel bei der Einschätzung des Nahost-Konflikts: Die erstgenannte Strömung orientiert sich an der Politik des Staates Israel aufgrund ihrer Solidarität mit den Opfern des Faschismus, die traditionellen Antiimperialisten sehen sich demgegenüber auf der Seite der Palästinenser.

Ihnen werfen die "Antideutschen" Blauäugigkeit gegenüber dem "Islamo-Faschismus" vor. Gleichzeitig rechtfertigt man den Irak-Krieg und geht mit amerikanischen und israelischen Flaggen demonstrieren. Die damit verbundene Kontroverse führte zu heftigen Auseinandersetzungen, die szene-intern auch teilweise gewalttätig ausgetragen wurden.

Das Phänomen "Autonome Nationalisten" im Rechtsextremismus

Derartige Entwicklungen erschweren die Einschätzung der Autonomen noch mehr als es schon unabhängig davon ist. Als weiteres verwirrendes Phänomen in diesem Umfeld kommen die "Autonomen Nationalisten" im Rechtsextremismus hinzu. Hierbei handelt es sich um einen Teilbereich des Neonazismus, wo sich jüngere Anhänger ganz bewusst den optischen Besonderheiten und politischen Parolen der linksextremistischen Autonomen bedienen. Dazu gehören nicht nur die Kleidung in Form von meist schwarzen Baseball-Kappen und Kapuzenpullovern, sondern auch die Parolen in Gestalt von antikapitalistischen und antiisraelischen Aussagen.

Optisch lassen sich beide Spektren mitunter nur beim genauen Hinsehen - bezogen auf die genaue Formulierung der politischen Aussagen auf Aufnähern oder Transparenten – unterscheiden. Den Rechtsextremisten geht es mit dieser Form des Auftretens zum einen darum, Linksextremisten und Polizeibeamte zu verwirren, zum anderen erhoffen sie sich, neuen Zulauf von Jugendlichen zu erhalten.

Schlusswort und Zusammenfassung

Die Beteiligung von Angehörigen der Autonomen-Szene an den Protesten gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer 2007 belegte zum einen die fortwährend bestehende Mobilisierungsfähigkeit und zum anderen die weiterhin vorherrschende Gewaltbereitschaft. Gleichwohl konnte man trotz großem Engagement im Vorfeld der Veranstaltung nicht genügend eigene Anhänger zu Protesten motivieren. Bei den demokratischen und friedlichen Demonstrationsteilnehmern bildeten sich erst relativ spät Sensibilitäten und Vorbehalte bezüglich der Autonomen heraus. Nach der Eskalation der gewalttätigen Ausschreitungen kam es dann aber zum Bruch zwischen diesen beiden Teilen der Protestbewegung.

Somit ergibt sich in der Bilanz ein ambivalentes Bild: Die Autonome-Szene besteht nach wie vor und weist ein beachtliches Mobilisierungspotential auf. Gleichwohl hatte sie sich in letztgenannter Hinsicht mehr versprochen und konnte auch keine erfolgreiche Bündnispolitik mit anderen Globalisierungskritikern voran treiben.

Literatur
 

  • A. G. Grauwacke (Hrsg.), Autonome in Bewegung. Aus den ersten 23 Jahren, Berlin o. J. (2003). Bundesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.), Militante Autonome – Charakteristika, Strukturen, Aktionsfelder, Köln 1997.
     
  • Geronimo, Feuer und Flamme. Zur Geschichte und Gegenwart der Autonomen. Ein Abriß, Berlin-Amsterdam 1990.
     
  • Haunss, Sebastian: Identität in Bewegung. Prozesse kollektiver Identität bei den Autonomen und in der Schwulenbewegung, Wiesbaden 2004.
     
  • Mletzko, Matthias: Merkmale politisch motivierter Gewalttaten bei militanten autonomen Gruppen, in: Uwe Backes/Eckhard Jesse (Hrsg.), Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Bd. 11, Baden-Baden 1999, S. 180-199.
     
  • Pfahl-Traughber, Armin. Die Autonomen – Portrait einer linksextremistischen Subkultur, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B. 9-10 vom 20. Februar 1998, S. 36-46.
     
  • Schultze, Thomas/Almut Gross, Die Autonomen. Ursprünge, Entwicklung und Profil der Autonomen Bewegung, Hamburg 1997.
     
  • Schwarzmeier, Jan: Die Autonomen zwischen Subkultur und sozialer Bewegung, Göttingen 2001.

     

Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, 17.3.2008
 

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