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Bundestagswahl

Alle vier Jahre wird der Deutsche Bundestag neu gewählt. Nächster Wahltermin ist voraussichtlich der 24. September 2017. Durch ihre Stimmabgabe entscheiden die Wähler, welche Parteien und Politiker in ihrem Namen wichtige Entscheidungen treffen.
Der Plenarsaal, in dem der deutsche Bundestag seine Sitzungen abhält

Die Bundestagsabgeordneten sind die Vertreter aller Menschen, die in der Bundesrepublik leben. Während der Sitzungswochen versammeln sie sich im Gebäude des Reichstags in Berlin – und diskutieren über Angelegenheiten, die ganz Deutschland betreffen: zum Beispiel das Steuerrecht, die Verteidigung des Landes oder die Sozial- und Außenpolitik. Insgesamt besteht Deutschlands oberstes Parlament aus mindestens 598 Abgeordneten, die aus allen Teilen des Landes kommen.

Das Volk wählt den Bundestag – und die Abgeordneten wählen dann die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler: Sie bestimmen also, wer Deutschland regiert. Die Abgeordneten entscheiden auch, wofür die Regierung Geld ausgeben darf. Gleichzeitig kontrollieren sie die Regierung. Die Abgeordneten der Parteien, die nicht an der Bundesregierung beteiligt sind, schauen der Regierung ganz genau auf die Finger. Hierzu können sie zum Beispiel Fragen stellen, Berichte anfordern und sich in den Ausschüssen und den Plenarsitzungen öffentlichkeitswirksam zu Wort melden.

Je mehr Stimmen eine Partei erhält, desto mehr Sitze – und Einfluss – haben ihre Abgeordneten im Parlament.

Wie aber werden aus Stimmen Sitze?

Bei den Bundestagswahlen wird ein personalisiertes Verhältniswahlrecht angewendet. Bei dieser Mischform werden die Wählerstimmen nach dem Prinzip der Mehrheitswahl und der Verhältniswahl in Parlamentssitze umgerechnet. Jeder Deutsche, der am Wahltag 18 Jahre alt ist, darf für gewöhnlich an der Bundestagswahl teilnehmen. Alle Wahlberechtigten haben jeweils zwei Stimmen.

Mit seiner Erststimme wählt man Personen – Direktkandidaten von Parteien oder Einzelbewerber – aus dem Wahlkreis, in dem man wohnt. Der Kandidat mit den meisten gültigen Stimmen hat die Wahl gewonnen und zieht mit einem Direktmandat in den Bundestag ein. Alle anderen Bewerber gehen leer aus. Genau die Hälfte der 598 Abgeordneten, also 299 von ihnen, wird in den Wahlkreisen mit der Erststimme gewählt. So ist sichergestellt, dass Politiker aus allen Regionen Deutschlands im Bundestag vertreten sind.

Mehr Stühle bitte: Werden nach einer Wahl Überhang- und Ausgleichsmandate vergeben, wird das Parlament insgesamt größer.

Wenn die Zahl der direkt gewählten Abgeordneten größer ist, als der Partei Sitze nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen, dann spricht man von Überhangmandaten. Ein Beispiel: Eine Partei hat 30 Wahlkreise gewonnen, laut dem Zweitstimmenergebnis stehen ihr aber nur 25 Sitze im Parlament zu. Zieht man die Wahlkreise jetzt ab, ergibt das: -5. Zu Hause bleiben muss trotzdem kein Kandidat. Die Partei erhält die fehlenden Sitze nämlich zusätzlich zugesprochen (Überhangmandate). Damit die anderen Parteien dadurch nicht benachteiligt werden, bekommen sie auch zusätzliche Sitze zugeteilt – sogenannte Ausgleichsmandate.

 

Zwei Stimmen für den Bundestag

Mit ihrer Zweitstimme entscheiden die Wähler, wie viele Abgeordnete jede Partei insgesamt in den Bundestag schicken darf. Bei der Auszählung wird geschaut, wie viel Prozent der Wählerstimmen die Parteien bekommen haben. Mit dem prozentualen Verhältnis steht fest, wie viele Sitze die Parteien einnehmen dürfen und auf welche Landeslisten diese verteilt werden. Von dieser Summe werden dann im jeweiligen Land die erfolgreichen Direktkandidaten der Partei abgezogen. Stehen einer Partei zum Beispiel in einem Bundesland 15 Sitze zu und hat sie fünf Wahlkreise gewonnen, bekommen die fünf Direktkandidaten ihren Sitz und die ersten zehn Listenkandidaten ziehen in den Bundestag ein.

Was sind Listenstimmen?
Die Zweitstimme wird auch Listenstimme genannt. Warum? Vor der Wahl stellen die Parteien in jedem Bundesland Listen mit ihren Kandidaten (Landesliste) auf. Je höher eine Kandidatin oder ein Kandidat auf der Liste platziert ist, desto größer sind ihre / seine Chancen.

Nicht jede Partei, die Wählerstimmen erhalten hat, bekommt allerdings einen Sitz im Parlament: Nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, sind im Bundestag vertreten. Es sei denn, es gelingt drei Direktkandidaten, ihren Wahlkreis zu gewinnen.

Mit der Fünf-Prozent-Hürde soll verhindert werden, dass zu viele kleine Parteien in den Bundestag einziehen und es zu einer Zersplitterung des Parlaments kommt.

 

Quelle: Wissen kompakt: Wahlen, Landtag Brandenburg, Juni 2013

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Wie aus Stimmen Sitze werden.
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