Leichte Sprache

Ich bin da ganz bei Ihnen…

Verstehen Sie noch die Bürosprache?? Klingt es kompliziert, ist es wahrscheinlich wichtig. Doch es geht auch anders...
Ich bin da ganz bei Ihnen…

Verstehen Sie noch die Bürosprache?? Es war einmal ganz einfach als der CvD v.d.A.z.K. gesetzt wurde oder der m.d.W.d.G.B. über eventuelle k.W. Stellen zu entscheiden hatte (= Chef vom Dienst vor Abgang zur Kenntnis / der mit der Weiterführung der Geschäfte Beauftragte über Stellen mit keiner Wiederverwendung). Die Vermerke auf den Akten waren länger als der Sachverhalt selbst. Also eindeutig!

Heute ist das alles nicht mehr so einfach. Da hat man sich gerade an meetings mit intensivem brainstorming gewöhnt, da ruft der Chef oder die Chefin zu einem get-together nach fishbowl-Muster und bittet darum, diffizil-sensible Arbeitsaufträge perspektivisch zu positionieren, um sukkzessive Synergieeffekte zu supporten. Alles klar? Der Geschäftsjargon der modernen Arbeitswelt ist unerbittlich und stetig im Wandel.

Aber was soll das alles? Gern gibt man banalen Vorgängen so einen Hauch des Mystischen. Klingt es kompliziert, ist es wahrscheinlich wichtig. Ist es wahrscheinlich wichtig, kümmert man sich intensiver darum und sei es nur, um die Bedeutung zu entziffern. Niemand gibt sich gern als ahnungslos zu erkennen und so trippelt man vorsichtig um die sprachlichen Fettnäpfchen herum, nickt wissend und sucht nach alternativen Lösungen.

Aber nicht nur einzelne Wortmonster verunsichern. Ganze, auf den ersten Blick einfache, Sätze schaffen das. "Ich bin da ganz bei Ihnen…" Übersetzung: Ja, ich höre das Argument, es wird trotzdem nicht berücksichtigt. "Grundsätzlich ist das bei uns nicht möglich" – ein Lieblingssatz der Juristen, denn er bedeutet: eigentlich nein, aber wir haben da Möglichkeiten. Es wird nicht direkt gesagt, was gedacht wird und das nervt auch mal den prodynamischsten Teamplayer.

Katrin Marx

Katrin Marx ist Publikationsreferentin der Landeszentrale

Was hilft? Fragen – wenn man mutig genug ist. Sichereres Auftreten auch bei völliger Ahnungslosigkeit – wenn man nicht so mutig ist. Schnelles und wenn möglich, heimliches googeln, falls man die Begriffe schnell genug notieren konnte – ist ein bisschen wie schummeln. Oder aber ein vernünftiges Gespräch mit der Bitte, klare Aussagen ohne unnötige Verkomplizierungen zu treffen – das lässt den sprachlichen gordischen Knoten platzen. Diese sind unnötig und gehören ganz klassisch in die Ablage P. (Ablage Papierkorb)

In der Landeszentrale haben wir uns das zur Aufgabe gemacht und verzichten, so weit es geht, auf schwierige Amts- und Geschäftssprache. So haben wir unsere Förderrichtlinie auf Lesbarkeit und Verständlichkeit hin geprüft. Wir haben ein Buch über Brandenburg in einfacher Sprache herausgegeben und stellen uns auf unserer Website auch in Leichter Sprache vor.

Es ist möglich, auch als Behörde verständlich zu sein. Wir sind da WIRKLICH ganz bei Ihnen…

  

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Das Amt und seine Sprache

 

Nur für Eingeweihte? Das Amt und seine Sprache

Post vom Amt – da schaudert es manchen Empfängern schon, noch bevor sie den Brief geöffnet haben. Denn egal, ob es um Informationen zu einem Straßenfest, die Bewilligung von Leistungen oder den behördlich angeordneten Abriss einer Garage geht: Amtliche Texte sind oftmals schwer verständlich – und das schon seit vielen Hundert Jahren. Ebenso alt ist die Kritik an der Behördensprache sowie der Versuch, sie zu "heilen". Das "Amtschinesisch" ist indes kein rein deutsches Phänomen: Behörden anderer Länder sind ebenfalls für ihren "verschwurbelten" Sprachstil berüchtigt, sowohl in Europa als auch außerhalb. [...]

Die deutsche Amtssprache ist so berüchtigt, dass sie seit Jahrhunderten immer wieder heftig kritisiert und nicht selten auch in kabarettistischer Form aufs Korn genommen wird, wie etwa in der Parodie "Rotkäppchen auf Amtsdeutsch"]

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 14-15/2017)

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