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Podiumsdiskussion
6. März 2017, 18.00 Uhr

Mehr als gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Equal Pay in Brandenburg

Wortwolke

Im gesamten Bundesgebiet tendieren junge Frauen dazu, schlechter bezahlte Berufe zu ergreifen. Auch deswegen betrugen die vom Statistischen Bundesamt errechneten Bruttostundenlöhne der Frauen im Jahr 2015 nur 16,20 Euro, während Männer auf 20,59 Euro kamen. Damit liegt der sogenannte „Gender Pay Gap“ in Deutschland bei 21 Prozent. In Brandenburg liegt dieser allerdings bei nur 6 Prozent.

Ist Brandenburg also ein Geschlechterparadies beim Thema Lohn und Arbeit? Sicherlich nicht. Aber es lohnt sich zu fragen, welche historischen und aktuellen Gründe es für dieses vergleichsweise gute Abschneiden gibt. Und was in Zukunft passieren muss, damit sich die Situation weiter verbessert.

Im Januar 2017 hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Entgelttransparenz beschlossen. Vor diesem Hintergrund nimmt die Landeszentrale für politische Bildung und der Frauenpolitische Rat die Brandenburgische Frauenwoche vom 2.-12. März 2017 und den Equal Pay Day am 18. März zum Anlass, hinter die Kulissen der Beschäftigungsverhältnisse von Frauen in Brandenburg zu schauen.

Gäste:

Moderation: Verena Letsch

Bildergalerie
v.l. Karin Wagner, Susanne Feldkötter, Martina Weyrauch, Verena Letsch und Susanne von Platen.
v.l. Martina Weyrauch, Henrike von Platen, Karin Wagner, Susanne Feldkötter, Verena Letsch
Mehr als gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Equal Pay in Brandenburg
Mehr als gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Equal Pay in Brandenburg
Foto: Simone Ahrend, sah-photo
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Kommentare

Frauen in Brandenburg

Warum liegt der Gender Pay Gap in Deutschland bei 21%, in Brandenburg aber nur bei 6%? Passend zum Equal Pay Day am 18. März fand in der Landeszentrale für politische Bildung eine Podiumsdiskussion zum Thema statt und die speakUP war für euch vor Ort: http://speakup.to/equal-pay-brandenburg

Eigene Bewertung: Keine

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Ich hatte mich bisher kaum mit diesem Thema befasst. Vor dieser Veranstaltung wusste ich beispielsweise nicht, dass die Ausprägung des Lohnunterschieds mit der allgemeinen Lohnhöhe zusammenhängt. Susanne Feldkötter hat aber in ihrem Vortrag gezeigt, dass der sogenannte Gender Wage Gap (warum muss eigentlich die Lohnlücke, die aufgrund des Geschlechts besteht, mit einem englischen Begriff beschrieben werden?) in besser bezahlenden (westlichen) Bundesländern wesentlich höher ist als in den (östlichen) Niedriglohnländern der Bundesrepublik. In Brandenburg lag der Wert zum Beispiel bei sechs Prozent, während Hamburg 24 Prozent aufzuweisen hatte. Dafür bekamen die Frauen in Hamburg allerdings durchschnittlich mehr Geld als die Männer im Schnitt in Brandenburg.

In der anschließenden Diskussion wurden Lösungsvorschläge laut, die sehr von  angeblichen Unterschieden zwischen DEN Frauen und DEN Männern ausgingen, etwa dass Frauen weniger zurückhaltend sein müssten, wenn sie besser bezahlt werden wollten und höhere Positionen anstrebten. Nach Meinung der Referentinnen, aber auch von Frauen im Publikum, geht es in der männlich bestimmten Arbeitswelt weniger darum, gewissenhaft seine Arbeit zu machen, sondern mehr darum, auf sich aufmerksam zu machen und die richtigen Kontakte zu knüpfen. Das fällt Frauen offenbar schwerer als Männern, da Frauen nach wie vor überwiegend eher zurückhaltend seien und ihre Arbeit taten, ohne ihre Leistung an die große Glocke zu hängen. Außerdem müssten sie oftmals Arbeit und Familie miteinander vereinbaren, könnten sich abends also nicht mit Kollegen treffen und netzwerken, da sie sich zu Hause um die Kinder und den Haushalt kümmern müssten oder sich ehrenamtlich engagierten.

Ich befürchte, ich bin genau die Art von junger Frau, über die die Frauen auf dem Podium verzweifelt den Kopf schütteln. Sicher, solange ich alleinstehend und kinderlos bin, möchte ich für meine Arbeit den gleichen Lohn und die gleichen Aufstiegsmöglichkeiten bekommen wie meine männlichen Kollegen. Doch sollte ich einmal Kinder bekommen, habe ich nicht vor, sie schnellstmöglich in den Kindergarten abzuschieben und volltags arbeiten zu gehen. Spätestens wenn sie zur Schule gingen, würde ich mir wohl eine Halbtagsstelle suchen, doch meinen Kindern ein liebevolles zu Hause mit einer anwesenden (!) Mutter zu bieten, stünde für mich immer an erster Stelle.

Ich würde also genau das tun, wovon mir Karin Wagner ganz dringend abraten würde - ich würde meine beruflichen und karriereorientierten Tätigkeiten zurückschrauben und mich mit dem zufrieden geben, was ich kriegen könnte, da mein Hauptaugenmerk ohnehin nicht auf der Arbeit liegen würde.

Wäre das denn so schlimm? Aber vielleicht ändert sich meine Meinung dazu ja auch noch, wenn es so weit ist…
 

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Tariflohn für alle!

Sie fragen, "welche historischen und aktuellen Gründe es für dieses vergleichsweise gute Abschneiden gibt." Die Antwort liegt nahe: Vergleichsweise sehr viele Frauen in den öffentlichen Verwaltungen (ein DDR-Erbe), deren Beschäftigte gegenüber der brandenburgischen Wirtschaft relativ gut bezahlt werden. Was passieren muss, "damit sich die Situation weiter verbessert". Weiter? Ich würde sagen, hier verschlechtert sich die Situation, d.h. es wird sich den alten Ländern angepasst. Was tun? Frauen arbeiten bundesweit überproportional in sozialen Berufen. Das sind Arbeitsplätze, die letztendlich vom Staat (wie über die Krankenkassen) finanziert werden. Also braucht der Staat nur seine "Marktmacht" ausspielen und Vorbild sein: Löhne rauf im öffentlichen Dienst! Das war jetzt einfach ... siehe auch: http://www.dgb.de/-/QZv
Eigene Bewertung: Keine

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