Anlässlich 30+ Jahren politischer Bildung in Brandenburg haben wir mit der Geschäftsführerin der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein gesprochen, vor welchen Herausforderungen sie steht und welche Wünsche sie für die Zukunft hat.
In 3 Worten: Was ist politische Bildung in Brandenburg für Sie?
Politische Bildung im Land Brandenburg bedeutet für mich, gesellschaftliche Teilhabe zu stärken, diskriminierungskritisch zu sein, zu werden, zu bleiben und auch Aushandlungsprozesse aufzuzeigen und Handlungsoptionen anzubieten.
Was war Ihr bislang prägendstes Erlebnis?
Erlebnisse gibt es viele.
Ein sehr prägendes Erlebnis für mich waren das Zusammentreffen und der Dialog von palästinensischen und israelischen Teilnehmenden hier im Haus. Und dass eben dieser Dialog und dieses Zusammentreffen hier möglich waren, wo sie doch vor Ort eben nicht mehr möglich sind.
Dass es diese Bildungsstätte gibt, die das möglich macht, und die das schaffen kann, das ist schon immer eine Erinnerung und auch ein prägendes Erlebnis für mich.
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen?
Momentan wird vieles überschattet durch Corona. Das ist aber nicht die größte Herausforderung für mich, sondern das Infragestellen des demokratischen Miteinanders, das sich schon in verschiedenen Äußerungen, Handlungen und auch durchaus aggressiven Gewalttaten zeigt.
Das Zweite, das ich als große Herausforderung beschreiben würde, ist eine soziale Ungleichheit, die sich auch darin zeigt, dass politische und gesellschaftliche Entkopplungsprozesse stattfinden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Zwei Zukunftswünsche, Visionen hätte ich.
Das eine ist eine gleichberechtigte politische Teilhabe aller im Sinne einer Inklusion in der politischen Bildung.
Der zweite Wunsch wäre, dass politische Bildung nicht als Prävention missverstanden wird, sondern als eine solide, notwendige Grundlage, um hier auch ein demokratisches, vielfältiges Miteinander zu leben, in dem Interessen gezeigt werden und auch eine Haltung vertreten wird.
BLPB, April 2022
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