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Antisemitismus

Antisemitismus ist nicht auf einen bestimmten Teil der Gesellschaft beschränkt. Er findet sich sowohl im linken wie im rechten Spektrum. Für die meisten unbekannt ist der unterschwellige Antisemitismus in der Mehrheitsgesellschaft.
Antisemitismus ist auf der ganzen Welt verbreitet. "Gott hasst Juden und Israel" meint diese junge Frau vor einer Synagoge in Los Angeles. Foto: k763 | <a href="http://www.flickr.com/photos/26806952@N08/3644021330/">flickr.com</a>

Was ist Antisemitismus?

Bis heute gibt es keine allgemein gültige Definition des Begriffs. In der EU wurde 2005 eine „Arbeitsdefinition“ entwickelt, die vor allem den Behörden als Orientierung dienen soll. Demzufolge ist:

Antisemitismus […] eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und / oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.“*

In der Wissenschaft wird mit einer erweiterten Definition gearbeitet. Erstens meint Antisemitismus eine Feindschaft gegen Juden und/oder den Staat Israel. Zweitens drückt sich Antisemitismus in verschiedenen Formen aus, von diffamierenden Äußerungen bis hin zur existenziellen Vernichtung. Drittens hat Antisemitismus unterschiedliche Motive: religiös, rassistisch, nationalistisch, sozial, politisch, antizionistisch, ökonomisch.

Antisemitismus 2.0
Rassistische Tweets in Frankreich wurden durch Twitter gesperrt, doch die antisemitischen Nutzer haben schon einen neuen Weg gefunden, ihre Botschaften zu verbreiten: jetzt auf Englisch über englische Provider. "Das wird eine Welle durch Europa", so eine kritische Nutzerin.

In Deutschland tritt Antisemitismus nicht ausschließlich als Randerscheinung auf, sondern fast jeder fünfte Deutsche vertritt antisemitische Ansichten. Diese drücken sich überwiegend in negativen Einstellungen gegenüber Juden aus. Eine weit verbreitete Auffassung ist beispielsweise „Juden haben zu viel Macht.“

Gegenwärtig wird in der Öffentlichkeit Antisemitismus vor allem im Zusammenhang mit antisemitischen Übergriffen diskutiert. Zum sogenannten harten Kern, von denen ein Gewaltpotential ausgeht, gehören rund 100.000 Antisemiten. Davon werden über 20.000 als rechtsextremistisch eingestuft und über 30.000 als islamistisch. Eine kleinere Zahl gewaltbereiter Antisemiten kommt aus dem linksextremen Spektrum.
 

Im September 2010 beschloss die brandenburgische Landesregierung eine Erhöhung der Förderung jüdischer Gemeinden. Die jährliche Förderung beträgt demnach 500.000 Euro und wurde somit verdoppelt.*

 

Mareike Böke, Oktober 2012
 

 

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