Karolin

Nach uns wird die Schule dichtgemacht

Karolin

Karolin

Geboren im Januar 1989
Besucht die Gesamtschule in Kunow

Beruf
Mein Traumberuf ist nach wie vor Tierpflegerin. Beim Praktikum hab ich in Kaufland gearbeitet, aber das ist nicht so meine Richtung, auch nicht in der Gastronomie wie meine Freundinnen, nee, wenn die da so mit dem vollen Tablett rumrennen müssen, ist ja schwer, da hätt ich Angst, dass mir was runterfällt. Von der Berufsberatung hab ich ne Liste bekommen, was es noch so für Ausbildungen gibt, hab ich aber noch nicht durchgesehen.

Ich will mich auch in Hannover bewerben, da lebt mein Onkel seit vier Jahren, vielleicht klappt es ja dort. Ich finde, die Ausländer nehmen keinem was weg, egal ob sie schwarz oder weiß sind. Menschen sind sie doch alle. Und wenn sie Arbeit haben, dann haben die halt Glück gehabt, sag ich mal. Meine Eltern haben Arbeit, mein Vati arbeitet beim Bauern und meine Mutti hat einen 150-Euro-Job.

Später will ich auf jeden Fall auf dem Dorf leben.


Schule
Nach uns wird die Schule hier in Kunow dichtgemacht. Deshalb sind schon ganz viele Lehrer weggegangen und wir haben für das letzte Schuljahr noch mal neue bekommen. Das gab zuerst ne Menge Probleme, weil die uns immer mit der Schule in Bad Wilsnack verglichen haben. Wir kennen die vom Sportfest, war immer nur Streit und Stress. Inzwischen geht’s. Wir haben mit den Lehrern gesprochen und jetzt hat es sich einigermaßen eingerenkt. Unser Klassenlehrer ist geblieben, aber der Direktor ist auch weg. Der war immer streng, aber das war gar nicht so schlecht, da hat man wenigstens was gelernt. Bei ihm hatten wir PB (Politische Bildung), Deutsch und Geschichte. Jetzt haben wir eine Direktorin bekommen.

Mir geht’s gut, ja. Ich hab zwei Hamster, zwei Vögel, ganz viele Hühner und Enten, zwei Hunde und vier Katzen. Später will ich mal irgendwas mit Tieren machen. Landwirtschaft ist nicht so mein Fall und im Tierheim will ich auch nicht arbeiten. Diese Quälerei, weil die so alleine sind, ertrage ich nicht. Aber Zoohandlung, wo halt kleine Tiere sind, könnte ich mir vorstellen. Wenn das nicht klappt, kann ich noch gar nicht sagen, was ich dann mache, keine Ahnung. Später will ich auf jeden Fall auf dem Dorf leben. Mir ist meine Familie sehr wichtig. Oma und Opa und wir leben in einem Haus, das geht ganz gut. In der Stadt will ich nicht leben, da sind viel zu viele Leute. Hier hab ich meine Freunde und finde auch viel schneller neue als in der Stadt. Es stimmt gar nicht, wenn gesagt wird, dass auf dem Dorf nichts los ist. Zur Disko fahr ich immer gemeinsam mit Freunden. Klar, man sieht die Kreuze an den Bäumen und denkt dann schon, auch wenn man den gar nicht kannte, warum musste der jetzt sterben? Das kann jedem passieren. Aber meine Mutter vertraut mir und ich achte schon sehr darauf, dass der, der fährt, keinen Alkohol getrunken hat. Sonst würde ich nicht einsteigen.

Meine andere Oma und mein Opa sind letztes Jahr gestorben. Das tut immer noch sehr weh. Vor allem dann, wenn ich ihr Haus sehe, das lange leer war. Die haben auch hier im Dorf gelebt, zuletzt hat sich meine Mutti sehr um die gekümmert. Jetzt wohnt wieder jemand in dem Haus. Reden kann ich darüber aber nicht so gut. Ich bin eher verschlossen, geh lieber in mein Zimmer und heul mich da aus.



Familie
Meine Mutti war 23 als sie mich bekam. Ich könnt’ mir auch vorstellen, so jung ein Kind zu bekommen. Kommt drauf an, wenn alles richtig ist, wenn man Arbeit hat und Beziehung und Geld stimmen, dann vielleicht, warum nicht? Ich hab ja noch eine kleine Schwester, die ist jetzt fünf und kommt nächstes Jahr in die Schule. Mit meiner Familie möchte ich mich immer gut verstehen, also auch mit meinen Tanten und Onkels und allen anderen.

DDR
Die Erwachsenen reden manchmal über die DDR und dass es da einfacher war mit Arbeit. Von meiner Oma weiß ich, dass es viel strenger war, auch zu den Kindern war man strenger. Und meine Mutti sagt manchmal, dass die Mauer wieder aufgebaut werden sollte, nur viel höher. Viele Sachen, die es jetzt zu kaufen gibt, kriegte man nicht in der DDR. Aber das interessiert mich alles nicht so sehr. Wir leben jetzt in dieser Welt und nicht mehr in der DDR. Über den 9.11. haben wir kurz im Unterricht gesprochen. 1989 war der Mauerfall und 1918 die Novemberrevolution. Das andere hab ich mir jetzt nicht gemerkt.

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