»Hinter einer Volkswahl muß eine Volksmacht stehn, fehlt die, so ist alles Wurscht«, sah Fontane gegen Ende seines Lebens ein. Was steckt hinter dieser resignativen Erkenntnis? Wohl nicht zuletzt persönliche Erfahrung, die Fontane, der in den Jahren 1848 und 1862 noch als Wahlmann kandidiert hatte, die Reichstagswahl 1887 schlichtweg boykottieren ließ:
»Die Verhältnisse liegen bei mir so complicirt, daß ich Ehren und Anstands halber nicht stimmen kann.«
Wie kompliziert die Verhältnisse (nicht nur bei Fontane) tatsächlich lagen, versteht aber erst, wer sich bewusst macht, dass Wahlen im 19. Jahrhundert nicht nur eine demokratische Errungenschaft waren, sondern vor allem auch ein politisches Machtmittel im Interesse der Herrschenden.
Der Diskussionsabend wird Fontanes sich wandelnde Haltung zur Demokratie vor ihrem historischen Hintergrund beleuchten und dabei immer wieder den Sprung in die Gegenwart unternehmen. Kurze Lesungen werden einschlägige Stellen zu Gehör bringen ‒ insbesondere aus den Romanen, in denen Fontane Wahlangelegenheiten gerne aufs Korn nahm.
In unserer Reihe »Der politische Fontane« diskutieren wenige Tage vor der Landtagswahl in Brandenburg die Historikerin und Demokratieforscherin Hedwig Richter und der Fontane-Biograph Iwan-Michelangelo D’Aprile.
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