In Potzlow wurde im Juli 2002 der 16- Jährige Marinus von drei Jugendlichen stundenlang gefoltert und anschließend durch einen Sprung auf den Hinterkopf brutal getötet und in einer Jauchegrube verscharrt. Die Täter gehörten zum rechtsextremistischen Umfeld und kannten ihr Opfer aus der kleinen Gemeinde Potzlow in der Uckermark. Die Tat ließ den Regisseur und Dokumentarfilmer Andreas Veiel nicht los. Zahlreiche Male reiste er zum Schauplatz, studierte Akten, Plädoyers der Rechtsanwälte und Verhörprotokolle, sprach mit Tätern und Bewohnern, mit Familienmitgliedern und Freunden, staatlichen Stellen und sozialen Einrichtungen. Aus diesen Quellen entstand „Der Kick“ zuerst als Theaterstück, wurde am Maxim Gorki Theater in Berlin aufgeführt und anschließend verfilmt. Die rund 20 Rollen werden von zwei Schauspielern gespielt, agiert wird in einer leeren Fabrikhalle, die mal Gastsstätte, mal Stall, Gericht oder Kirche symbolisiert. „Durch diese besondere Art der Darstellung entsteht Distanz. Nur so ist es möglich, sich in ein Ursachengestrüpp analytisch hineinbegeben zu können. Dabei lassen wir weder die Schrecken der Tat aus, noch verharmlosen wir den Fall. Gleichzeitig müssen wir uns die Täter als Menschen vorstellen. Wir geben ihnen eine Biographie. Das ist die eigentliche Provokation. In den meisten Debatten wurden die Täter in einen Monsterkäfig gesperrt. Wir holen sie da heraus. Das hat immer etwas Beängstigendes, aber auch Befreiendes.“ ( Andres Veiel )
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