Die Mauer ist Ausgangs- und Endpunkt dieser tragischen Geschichte während der Zeit des Kalten Krieges und der Entspannungspolitik. Michael Gartenschläger war kein Held. Er war einfach ein Jugendlicher von 17 Jahren, der sich seiner Freiheiten durch die Errichtung der Mauer beraubt sah. Die ganz normalen Gegenreaktionen in seiner Jugendclique führten zu einem Schauprozess, der mit einer lebenslangen Haftstrafe endete. Während der Knastjahre wird er erwachsen, wird er politisch, fordert er durch Fluchtversuche die Grenzen und das System heraus. Nach dem Freikauf versucht er, 27jährig, die verlorenen Jugendjahre nachzuholen. Er führt seinen privaten Krieg gegen die DDR. Er wagt die spektakuläre Demontage einer Selbstschussanlage an der Mauer. Das macht ihn zwei Wochen medial bekannt. Dann wagt er zuviel und wird erschossen. Man kann sich fragen, ob das was er gemacht hat etwas gebracht hat, einen Sinn hatte und ob es sich letztlich gelohnt hat dafür zu sterben. Setzt man sich mit der Geschichte auseinander, kommen andere Fragen: War er ein Held oder brauchte er nur Aufmerksamkeit? Hätte man seinen Tod verhindern können und wer war dafür verantwortlich? Man kommt zu einer grundsätzlichen Frage: Was hätte ich gemacht, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre? Man sieht, dass Michael Gartenschläger bestimmt eine sehr interessante Figur war, aber man kann seine Taten nicht eindeutig interpretieren. In seinem Leben widerspiegelt sich ein großer Teil der DDR Geschichte und der damaligen komplizierten deutsch-deutschen Beziehungen. Die Zuschauer sind herzlich eingeladen, nach der Aufführung über das Stück zu diskutieren. Die Aufführung „Macht das Tor auf“ wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung und der BStU-Außenstelle Frankfurt/Oder
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