Modernität, Sozialismus und Kunst

Eine Kooperation zwischen dem Kunstarchiv Beeskow und der Universität Utrecht

Schiffskonferenz mit Veranstaltungen auf dem Schiff und an den Haltepunkten

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Die seit den 1990ern geführten öffentlichen Debatten zum kulturellen Erbe aus der Zeit des Kalten Krieges tendieren dazu, die europäische Kunstwelt vor 1989 als Wettstreit zwischen der westlichen Moderne und dem Sozialistischen Realismus sowjetischer Prägung zu beschreiben. Dieses verallgemeinernde Schema blendet jedoch eine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen aus, die zumeist über diese vereinfachte, politisierte Unterscheidung hinausgehen. Vor allem seit den späten 1960ern erkundete die westeuropäische Kunst die Grenzen zwischen ,,Kunst'' und ,,Leben'' und öffnete sich damit gegenüber verschiedenen Formen des sozialen und politischen Engagements.

Währenddessen avancierte in weiten Teilen Osteuropas der Sozialistische Realismus zum höchst umstrittenen Leitbild und brachte letztendlich viele Künstler und Künstlerinnen sowohl von realistischen als auch sozialistischen Ausrichtungen ab. Aufgrund dieser eindimensionalen Darstellung der Kulturgeschichte des Kalten Krieges, die nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus einsetzte, ergeben sich eine Vielzahl grundlegender Fragen: Was ist genau unter den Begriffen Moderne und Sozialistischer Realismus zu verstehen? In welcher Relation stehen beide Begriffe sowie die damit verbundenen Konzepte zur Modernität und ist es möglich, von einer sozialistischen Modernität zu sprechen? Welche Aspekte der Kulturgeschichte des Kalten Krieges werden mit dem bloßen Fokus auf die bipolare Teilung übersehen? Welche Begriffe und theoretischen Konzepte wären für eine möglichst nicht-ausschließende, nicht-teleologische Interpretation der europäischen Kunstwelt vor 1989 geeignet? Welche Funktionen könnten Archiven und Museen in solcher Neuinterpretation zukommen?

Dies sind einige der wesentlichen Fragen des 6-tägigen Symposiums, welches an Bord eines Archivschiffes stattfindet. Auf der Schiffsreise von Berlin nach Gorzów Wlkp. (Polen) und zurück werden verschiedene Archive und Institutionen angelaufen, die mit der Kultur- und Kunstgeschichte des Kalten Krieges in Verbindung stehen: das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (über den Berliner Hafen), das Kunstarchiv Beeskow, das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (Eisenhüttenstadt) und das Muzeum Lubuskie im. Jana Dekerta in Gorzów Wlkp.

Das auf den Flussläufen reisende Archivschiff als besonderes Vermittlungsformat ist Teil des Kunstprojektes Archenauts, das kooperativer Partner des Symposiums ist. Mit Modernität, Sozialismus und Kunst ist auf das Engste ein Überschreiten sowohl nationaler als auch zeitlicher und disziplinärer Grenzen verbunden.

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