
Beunruhigt durch die verschärfte Migrationsdebatte und das Erstarken rechtsextremer politischer Kräfte in Parlamenten und von rechtsextremen Netzwerken in verschiedenen Institutionen wird für viele Menschen das denkbar, was für Jahrzehnte im demokratischen Deutschland undenkbar war: dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Zugehörigkeit, Religion oder Hautfarbe verfolgt und letztlich aus ihrer Heimat vertrieben werden können. Heute schon leiden Menschen mit Migrationshintergrund, Nicht-weiße und Geflüchtete an struktureller Diskriminierung und strukturellem Rassismus, die auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen zur Realität gehören, in den Schulen, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen, bei der Wohnungssuche, bei polizeilichen Kontrollen (Racial Profiling) etc.
Es ist kein neues Phänomen, dass seit Jahrzehnten Menschen, denen direkt und indirekt signalisiert wird, dass sie nicht wirklich dazugehören, Deutschland verlassen. Doch mit zunehmender Etablierung rechtsextremer Kräfte und der Enthemmung rassistischen Gedankenguts in politischen und öffentlichen Auseinandersetzungen wächst der Kreis der Menschen, die ihre Perspektiven außerhalb Deutschlands sehen. Laut einer Studie des DeZIM-Instituts (Deutsches Zentrum für Integrations‐ und Migrationsforschung) von 2024 überlegt fast jede zehnte Person mit Migrationshintergrund (9,3 %), Deutschland zu verlassen – als Reaktion auf fehlende Anerkennung, Akzeptanz und Wertschätzung.
Dies trifft insbesondere für junge und gut qualifizierte Menschen zu. Die Auswirkungen migrationsfeindlicher Debatten und der Auswanderung sind nicht nur gesellschaftlicher und kultureller Art, sondern angesichts des realen und in Zukunft zunehmenden Fachkräftemangels auch ökonomischer Art.
Anlässlich des „Internationalen Tags gegen Rassismus“ laden die Heinrich-Böll-Stiftung und neue deutsche organisationen – das postmigrantische Netzwerk (ndo) ein, um zum einen die aktuelle gesellschaftspolitische Situation in Deutschland (und darüber hinaus) aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu besprechen, und zum anderen mit einem Blick nach vorn einen Raum für Ideen und Zukunftsperspektiven für die Migrationsgesellschaft zu schaffen.
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