Und es geht doch. Das Leben mit der Quote…

Vortrag und Diskussion

© BerlinStock - Fotolia.com, bearbeitet durch Landeszentrale

Keiner kann mehr die Tatsache bestreiten, dass „die Quote“ wie keine andere Maßnahme dazu beigetragen hat, Frauen Türen zu öffnen und Partizipationschancen zu sichern, die sie vorher nicht hatten. Trotzdem wird die Quote noch häufig als etwas Unseriöses betrachtet, nicht zuletzt von den Frauen selber. Eine „Quotenfrau“ zu sein, gilt als Erfolg zweiter Klasse. Und viele Männer empfinden die Quote als schlicht verfassungswidrig.

Über Vorbehalte wird oft diskutiert. Daher soll hier ein Perspektivwechsel gewagt werden. In dieser Debatte fragen wir nach: Was wollten die Frauen 1989? Mit welchen Themen sind wir gestartet? Wie hat sich der Diskurs geändert? Weiterhin berichten Sachverständige aus Wirtschaft, Politik und öffentlichem Dienst, wie die Quote die Arbeitswelt verändert hat und was das für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft heißt.

Gäste:

Moderation:

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Frauenpolitischen Rat Brandenburg und der ASF Brandenburg im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwoche.

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Das Leben mit der Frauenquote, darum ging es gestern in der Landeszentrale. Das Thema interessierte vor allem Frauen. Mehr als 40 waren gekommen, insbesondere Lebenserfahrene, aber auch junge Ingenieurinnen und Erzieherinnen zum Beispiel. Die vier Männer können da schon fast als Quote gelten.

Auch auf dem Podium nur Frauen, die sich offen selbst als Quotenfrauen bezeichneten und mit ihren pointierte Vorträgen das Publikum zu einer lebhaften Debatte führten.

Hildegard Maria Nickel, erste weibliche Soziologieprofessorin an der Humboldt Universität Berlin und mit ihrer ostdeutschen Herkunft gleich eine doppelte Quotenfrau, wie sie augenzwinkernd sagte, erinnerte an die Frauenbewegung in der DDR. Schon zu Beginn der 1980er Jahre gruppierten sich viele Frauen im Land, wie stark, dass sei ihnen oft erst 1989 bewusst geworden. Schon im November haben Aktivistinnen einen offenen Brief formuliert, der die Einführung einer Frauenquote forderte, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine verbesserte Kinderbetreuung und die Ausgleichung regionaler Unterschiede.

Vieles sei im Zuge der Wiedervereinigung verloren gegangen. Der Einigungsvertrag von 1990 ließ viele Frauenangelegenheiten offen. Nickel bilanziert: „Die letzten 25 Jahre waren keine Fortschrittsjahre.“

Spannend, weil eher selten in der Öffentlichkeit diskutiert, waren die Einblicke von Nicole Griebel vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Das schreibt sich sehr ungewohnt und klang auch noch so. „Die Quote hat sich bewährt“, so Griebel. „Angekommen sind wir Frauen aber noch nicht.“ Noch gebe es zu wenig Frauen in oberen Dienstgraden. Diese sind aber die Voraussetzung für eine Besetzung in Führungspositionen. Ein amüsantes Detail der Bemühungen um die Integration von Frauen in die Bundeswehr: Bei ihrem Dienstantritt erhielten die weiblichen Anwärter eigens für Frauen geschneiderte Hosen. Diese waren so ungeeignet für den „Dienst an der Waffe“, dass die Frauen um bequeme Männerhosen kämpften – mit Erfolg. Griebels Fazit: Frauen müssen hartnäckiger für ihre Rechte kämpfen als Männer.

Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen bestätigte auch die Journalistin und Bloggerin Katrin Rönicke. Sie sprach über ihre Erfahrungen im Internet. Hier sei die Diskussion zwar schon weit fortgeschritten. „Die junge Generation ist stärker sensibilisiert für das Thema und die Quote quasi schon fest verankert in den Köpfen.“ Allerdings tauge das Internet nicht, um aus dem bestehenden Dilemma herauszukommen. „Dafür hängen wir zu sehr in alten Strukturen fest“, stellt die Autorin ernüchternd fest. So würden Frauen sexistisch angegriffen und müssten sich stärker rechtfertigen als Männer.

Die Diskussion im Publikum machte vor allem eins deutlich: Die Frauenquote wird einheitlich bejaht, auch von den anwesenden Männern. Dahinter steht jedoch ein großes Aber, das sich auf die Umsetzbarkeit in der Praxis bezieht, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse, die es in der Gesellschaft gibt, angefangen von höheren Lohnforderungen für Erzieherinnen bis zu Zwangsverpflichtungen von Männern für so genannte Frauenberufe wie den Pflegebereich. Elke Ferner, Frauenpolitikerin, machte allen Frauen Mut, sich auch Führungspositionen zuzutrauen. „Männer überschätzen sich, Frauen unterschätzen sich“, fasste sie ihre Erfahrungen zusammen. Applaus erhielt sie dafür nicht nur von den Frauen.

Die wohl größte Anerkennung des Abends erhielten zwei Frauen, die das schwierige Thema, ohne ein hörbares Wort zu sagen, in Gesten übersetzten: die Gebärdendolmetscherinnen Anna-K. Mohos und Dina Zander-Tabbert.

Lina Dingler

Lesen Sie mehr von Lina Dingler in unserem Blog.

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