
Der Transformationsprozess in Ostdeutschland wird gemeinhin als Erfolgsstory erzählt. Die Erinnerung an die Wucht des gesellschaftlichen Umbruchs, die brutale Konfrontation mit Massenarbeitslosigkeit und Abwanderung, das Gefühl der Entwertung scheinen in den Hintergrund zu rücken.
Und da kommt einer wie Daniel Schulz (der 1979 in Potsdam geboren wurde) und legt ein Buch vor, das mit Zustimmung und Begeisterung bedacht wird. Daniel Schulz führt uns noch einmal vor Augen, was langsam in Vergessenheit zu geraten droht.
Der Held des Buches ist zehn, als in der DDR die Revolution ausbricht. Während sich viele nach Freiheit sehnen, hat er Angst: vor den Imperialisten und Faschisten, vor denen seine Lehrerinnen ihn gewarnt haben. Vor dem, was kommt und er nicht kennt. Wenige Jahre später wird er wegen seiner langen Haare von Neonazis verfolgt. Er muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht.
„Wir waren wie Brüder“ ist eine drastische Heraufbeschwörung der frühen 1990er Jahre – und ein nur allzu aktueller Roman über die Ursprünge von Rassismus und rechter Gewalt.
Gast: Daniel Schulz, Autor
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KommentierenLesenswertes Buch
Ein lesenswertes Buch und eine zeitlose Geschichte vom Erwachsenwerden, von Beziehungskonflikten und von rechter Gewalt. Daniel Schulz hat in der Landeszentrale aus seinem Buch „Wir waren wie Brüder“ gelesen.
Das Buch bringt in hervorragender Weise verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch. Kommentar einer Mutter aus dem Publikum: "Genauso wie im Buch beschrieben, war es. Ich erinnere mich." Kommentar der Tochter: "Das Buch finde ich total unglaubwürdig. Der schreibt, er habe einen Nazi auf der Straße erkannt. Das geht doch gar nicht, wie will man das denn erkennen?"
Um die 1990er Jahre, die Veränderungen heute und dass Geschichte immer wieder neu "entsteht", auch darum ging es in der Diskussion am Abend.
© BLPB
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